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FPGA in der Amazon-Cloud

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Am 30. November stellte Amazon ein Developer-Programm für ein neues Serverangebot vor. Unter dem schlichten und schlicht schönem Namen F1 stehen nun Rechner mit FPGAs zur Verfügung. Leider sind die Preise noch nicht bekannt, sollen aber schon bald verfügbar sein. Bei der avisierten Ausstattung kann man aber damit rechnen, dass Stundenpreise im zweistelligen Dollar-Bereich zu zahlen sind.

Zum Einsatz kommen Xilinx UltraScale+ VU9P Virtex FPGAs (~2,5M Logic Units). Bis zu sieben Boards sind in einem Server verfügbar. Eine solche Karte kostet auf der Strasse bis zu 20.000 Euro. Das Investment von Amazon kann also als signifikant bezeichnet werden. Und es dürfte sich dabei nicht nur um ein simples “Me Too” gegenüber Microsofts Bekenntnis zu FPGAs handeln.

Auf einer Karte, die über PCIe x16 angebunden ist stecken 64GByte DDR4-RAM. Angebunden ist der Speicher mit einem 288bit Bus. Die Anbindung verspricht (theoretische) 400Gbps Transferraten. Xilinx spricht von einem “bidirectional ring” ohne näher zu erklären, was sie damit genau meinen. Sie weisen darauf hin, dass man das Zugriffsprotokoll selbst implementieren muss. Was in den meisten Fällen auf eine AXI-DMA-Lösung hinausläuft.

Obwohl die 400Gbps noch nicht an die Top-Karten von NVIDIA rankommen sind sie zusammen mit den 64GByte RAM eine echte Alternative zu der Verwendung von GPUs für Machine Learning. Denn im Gegensatz zu einer symmetrischen Core-Konfiguration können FPGA intelligenter auf den Speicher zugreifen. Mit einem Bus von 288 bit Breite stellt sich das neulich beschriebene Problem Resourcen-hungrigen AXI-Implementation als nicht mehr so dramatisch dar.

Die F1-Instanzen stellen eine virtuelle JTAG-Instanz zur Konfiguration des FPGA-Bitstreams bereit. Dabei dürfte es sich vermutlich um einen Device-Driver von Xilinx für CentOS handeln. Allerdings hat Xilinx Vivado offensichtlich auch für den Einsatz auf CentOS selbst fit gemacht. D.h. man kann den gesamten Workflow auf die Cloud auslagern. Was sicher die Synthese beschleunigt, wenn man selbst nur einen kleinen Arbeitsplatzrechner zur Verfügung hat. Ob das aber ein wirklich praktisches Setup ist, muss jeder selbst entscheiden. Bei den zu erwartenden Preisen rechnet sich ein neuer Arbeitsplatzrechner bereits nach einer Woche Download, Install, Konfiguration, Tests mit Vivado.

Jeff Barr (“Chief Evangelist for the Amazon Web Services”) beschreibt in einem kurzen Hands On wie man zu seinem ersten AFI (Amazon FPGA Image) kommt. Leider wird nicht klar, ob es sich dabei nur um einen Bitstream-Wrapper handelt oder tatsächlich um neues Format. Unklar ist derzeit auch noch, ob sequentielle Updates für die Bitstreams möglich sind. Die Chips bieten diese Option prinzipiell. Auch über verschlüsselte Bitstreams ist nichts in Erfahrung zu bringen.

Amazon wird mit der Verfügbarkeit der F1-Instanzen ein Github-Repository unter https://github.com/aws/aws-fpga(derzeit noch 404) veröffentlichen, das Samples und SDK enthält. Es wird spannend, ob sie tatsächlich einen neuen AXI-Stack als freies IP veröffentlichen oder ob man sich das entsprechende Lizenz-File für die lokale Synthetisierung laden kann.

Um eine Preview-Membership kann man sich hier bewerben.

Fazit

Die Idee, FPGAs in der Cloud anzubieten ist nicht neu. Der Anbieter POMMP verspricht seit Jahren signifikante Beschleunigungen für viele rechenintensive Prozesse. Es ist schön zu sehen, dass nun auch die Großen der Branche auf den Zug aufspringen. Wenn sich nun noch etwas an der Tool-Front tut dürfte dem Erfolg nichts mehr im Weg stehen.


Written by qrios

December 2nd, 2016 at 1:36 pm

Posted in gadgets,science

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