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IT ist kurios!

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warum facebook so viel für instagram bezahlt

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Ein Aspekt bei den vielen Analysen zu dem facebook-Instagram-Deal scheinen die Analysten vollkommen zu übersehen: der Preis der User. Viele spekulieren über eine vermeintliche Angst von Zuckerberg vor einer Konkurrenz seitens Instagram. Bei 30+ Mio Usern und einem Special-Interest-Thema im Vergleich zu 850+ Mio und einer breiten Basis von Services dürfte die Fotocommunity kaum problematisch sein. Selbst, wenn ein anderer Großer (Google) Instagram gekauft hätte, dürfte fb nichts zu befürchten haben.

Auf Bootstrapping gibt es eine interessante Aufstellung der Investitionsrunden von Instagram. Betrachtet man die zeitliche Abfolge ist alleine schon die Bewertung in der letzten Runde absolut erstaunlich. Nach nur 17 Monaten hat der Service einen Wert von einer halben Milliarde Dollar erreicht. Mit dem Kauf durch fb wurde jeder Instagram-Nutzer respektive dessen Daten mit rund 30$ bewertet.

Würde man diese Bewertung für die fb-Nutzer anlegen würden allerdings nur ein facebook-Firmenwert von etwas über 25 Milliarden zustande kommen. Das ist weit weg von den Investorenträumen, die fb bei über 100 Milliarden $ sehen.

Die Vermutung liegt daher nahe, dass die letzte Investitionsrunde von Instagram eigentlich nur dem Zweck diente, den relativ hohen Preis pro Nutzer zu rechtfertigen. Es klingt sehr unwahrscheinlich, dass Zuckerberg am Karfreitag bei den Instagram-Gründern angerufen hat um ein unmoralisches Angebot zu unterbreiten. Tatsächlich dürften auch die Investoren aus der Seed-Phase besonders behandelt werden, da sie ja noch eine Woche zuvor diluted wurden. Sie hätten durch den letzten Deal mehr als 100 Mio verloren.

[Update] Langsam kommen einige Hintergründe ans Tageslicht. Erstens soll der Deal tatsächlich innerhalb von wenigen Tagen über Ostern ausgearbeitet und durchgeführt worden sein und zweitens (und wichtiger) ist einer der twitter-Gründer auch Seed-Investor von Instagram gewesen. Dieser Jack Dorsey ist nun offensichtlich nicht sehr glücklich mit dem Verkauf an facebook und wendet sich beleidigt von Instagram ab. Mal sehen, wann weitere Details über den Deal bekannt werden und wann Dorsey mit seinen Anwälten auftritt. [/Update]  

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April 10th, 2012 at 9:04 pm

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Die Funktion von Cookies aus Nutzer- und aus Betreibersicht

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tl;dr. Unterscheidet man den Nutzen von Cookies nach ihrer Funktion für User und der Funktion für Anbieter wird deutlich, dass Cookies der Lebenssaft der digitalen Branche sind. Für die User bieten sie aber nur marginale Vorteile. Die Branche wird nicht aufhören immer mehr Daten zu sammeln, bis eine lückenlose Vorratsdatenspeicherung über jeden Nutzer existiert.

Die Firma nugg.ad (Tochter der Deutschen Post DHL) ist einer der größten deutschen Trageting-Dienstleister und lebt davon, dass auf einer Seite Cookies von einer anderen Seite gesetzt und gelesen werden können. Ist diese Funktion ausgeschaltet kann nugg.ad kein Profil erstellen.

Http ist an sich zustandslos. Das meint, dass der Aufrufende (“gib mir folgende Datei”) vom Vorhaltenden (“hier hast du die Datei”) nicht erkannt werden kann. Ohne weiteres weiß er nicht, wer da grade dieses Bild will und in welchem Kontext er sich grade befindet. Und damit fängt das Dilemma an.

Prinzipiell gibt es unterschiedliche Interessen für die (Wieder)Erkennung von Nutzern. Im Folgenden werden zuerst die Interessen der Nutzer dargestellt und danach die der Anbieter. Aus der Gegenüberstellung wird deutlich, dass Cookies im Interesse, ja sogar die Basis vieler Business-Modelle der (meisten) Anbieter sind. Für die Nutzer sind sie jedoch in den meisten Fällen ein lässliches Ärgernis und oft auch die falsche Technik.

Die Nutzerinteressen

Aus Nutzersicht ist eine Request-übergreifende (“der User folgt einem internen Link”) oder eine Session-übergreifende (“der User kommt nochmals auf die Site”) Zuordnung zu unterscheiden. Die Wiedererkennung bietet erstens eine komfortable Anmeldung oder/und die Personalisierung von Inhalten oder Formaten.

Die automatische Anmeldung ist ohne Frage eine hilfreiche Funktion. Es gibt allerdings dafür http-Authentifizierung. Ein bestimmter Bereich verlangt eine Authentifizierung und ohne ein gültiges Login und Passwort sieht man nichts. Alle Browser verfügen über einen eingebauten Mechanismus, sich auf Wunsch diese Anmeldungen zu merken. Und über https gibt es auch die maximal derzeit verfügbare Sicherheit*. Cookies sind für diese Funktion absolut überflüssig.

Personalisierung bedeutet, dass der Nutzer bewusst oder unbewusst das Verhalten, respektive das Aussehen einer Seite oder einer Site verändert.

Beginnen wir mit dem bewussten Verhalten. Sitebetreiber finden es manchmal eine gute Idee: der Nutzer habe doch bestimmt seine eigenen Präferenzen und möchte sich die Seite einrichten nach seinem Gusto. Deutlich zu sehen bei der DRadio-Wissen-Seite oder bei der letzten Version von Xing. Man kann Inhaltsboxen hin und her schieben und sich damit die “Startseite” anpassen. Diese Einstellung wäre natürlich sinnlos, wenn man beim nächsten Aufruf alles wiederholen müsste. (Nun finden lustigerweise wenig ausgewiesene Experten Personalisierung toll. Prominentes Beispiel war hier Bertelsmann mit Bol. Die hatten in New York am Time Square mal 50 Datenbankenexperten sitzen, die sich mit dem Speichern von User-Preferenzen beschäftigen sollten. Bol hat es bekanntermaßen nicht weit geschafft.)

Aber auch das unbewusste Verhalten eines Nutzers kann Einfluss auf das Aussehen und den Inhalt einer Seite haben. Allein durch die aufeinanderfolgenden Klicks oder durch Aktionen in der Vergangenheit könnte ein Nutzer vermitteln, was er eigentlich sucht und was man ihm daher anbieten soll. Dieses Verfahren wird Behavioral Targeting genannt. Prominentestes Beispiel ist Amazon mit der Liste ähnlicher Produkte. Diese Liste wird in Abhängigkeit von meinem bisherigen Verhalten momentan oder meiner Kaufhistorie variiert. Ein großer Teil von Amazons Erfolg geht auf diese Funktion zurück, die man sich damals bei der Firma Net Perceptions gekauft hat.

Innerhalb einer Session würde sowohl die Anpassung an das bewusste als auch an das unbewusste Verhalten mit Hilfe von Session-IDs funktionieren. Diese werden als Parameter über die URL von einer Seite zur nächsten übergeben**. Session-übergreifend funktioniert dieses Verfahren nicht, da nicht gewährleistet werden kann, dass die URL nach wie vor von dem ursprünglichen Browser aufgerufen wurde.

Die Personalisierung – egal ob auf der Basis von bewusstem oder unbewusstem Verhalten – ist jedoch generell problematisch. Heute nutzen die User Sites in verschiedenen Situationen. Auf der Arbeit mit dem Firmen-PC, auf dem Weg nach Hause mit dem Handy, zu Hause mit dem Tablet u.s.w. Eine Personalisierung könnte dann also nur funktionieren, wenn die Cookies mitgenommen würden. Das werden sie momentan*** nicht. Ausserdem sind die Geräte jeweils so unterschiedlich, dass die Webseiten sowieso verschieden aussehen.

Die Anbieterinteressen

Vor der Erfindung der Cookies stand die Frage von Henry Ford, welche Hälfte der Marketingausgaben denn wohl umsonst ist. Denn dass nicht jede Kommunikation bei den Empfängern auf fruchtbaren Boden fällt ist klar. Der Tampon-Spot im StarTrek-Werbeblock könnte vergebene Liebesmüh sein. Das Banner für das iX-Abo auf gofeminin scheint deplatziert.

Henry Ford würde heute feststellen, dass es doch am besten wäre, die Kommunikation für jeden einzelnen Empfänger anzupassen. Denn sicher gibt es für jeden einen bestimmten Schlüsselreiz, der ihn dazu bringt, sofort den Scheck zu unterschreiben. Was wie ein Horroszenario klingt ist nur das fertige Bild, wenn man heutige Puzzlesteine zusammensetzt.

Mit Hilfe von Cookies kann erkannt werden:

  • ob ein Nutzer bereits auf der aktuellen Seite war,
  • und wenn ja, was er sich angesehen hat,
  • dort bereits etwas gekauft hat und wenn ja,
  • was er dort gekauft hat,
  • ob er irgendeine Werbung dieser Seite gesehen hat und wenn ja,
  • welche Werbung dieser Site er gesehen hat und
  • ob er diese geklickt hat,
  • ob er (auf der Seite auf der diese Werbung ist) bisher überhaupt mal war,
  • und wenn ja, welche Werbung er dort schon mal gesehen und
  • möglicherweise geklickt hat,
  • welche Themen er sich auf verschiedenen Seiten ansieht.

Etliche Szenarien sind nur möglich, wenn verschiedene Teilnehmer Daten austauschen. Dies geschieht schon länger. Deutlich wird, dass immer öfter Konkurrenten über ein Intermediate zusammenarbeiten. Der Vorteil der verbesserten Daten ist tatsächlich höher zu bewerten als die Tatsache, dass ein Wettbewerber Informationen erhält.

Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob die Daten personalisierbar sind. Im Gegenteil: personenbezogene Daten neigen zu Korrosion wenn Nutzer ihre Wohn- oder Mailadressen ändern, heiraten oder das Konto wechseln.

Cookies bieten damit ganz abstrakt die Möglichkeit einer vollständigen Vorratsdatenspeicherung aller Interaktionen eines Nutzers im Web. Und mit dieser Historie lassen sich komplette Persönlichkeitsprofile bilden, Verhaltensmuster in Cluster zusammenfassen. Basierend darauf können Kommunikationsmaßnahmen und -inhalte so gesteuert werden, dass die Response-Rate optimal ist. Also die Wirkung des Marketings nicht weiter verbessert werden kann. Dabei umfassen Kommunikationsmaßnahmen nicht nur Banner und TV-Spots.

Inhalt und Stil eines Zeitungsartikels kann genauso customized werden wie Produktname und vermeintlicher Hersteller. Es könnte ja sein, dass eine kleine Gruppe von Usern durchaus Nivea kaufen würde, wenn man sie nur in eine Steampunk-Packung füllt und sie nach Prinzessin Leia benennt. Der Makerbot im Netto um die Ecke macht es möglich.

Sicher eine lustige Vorstellung. Wenn es jedoch um Krankenversicherung, Job-Angebote, politische Meinungsäusserung und Reisefreiheit geht und damit letztlich um eine durchlässige Gesellschaft, dürfte vielen das Lachen im Halse steckenbleiben.

Und es bleibt festzustellen, dass existierende Daten immer Begehrlichkeiten wecken.

Über mich: In der c’t 6/96 erschien mein letzter Artikel für die Zeitschrift mit dem Titel “Faules Backwerk – Auf dem Weg zum gläsernen Web-Surfer” http://www.heise.de/ct/artikel/Faules-Backwerk-284550.html . Seitdem arbeite ich mehr oder weniger permanent als Experte für Web-Analyse. Meistens mit Tools von Drittanbietern, oft aber auch mit selbst entwickelter oder mindestens selbst entworfener Software. Jenseits von Logfile-Analyse gibt es heute keine relevante Lösung, die ohne Cookies auskommt. Eine der wesentlichen Merkmale der Branche ist nach meiner Meinung ein Wettrüsten um die Datenqualität und -granularität. Die Interessen der Nutzer vertritt in diesem Wettkampf niemand.

*) Zumindest mehr als derzeit mit Cookies.
**) Session-IDs in der URL haben insbesondere wg. Suchmaschinen und Bookmarks oder URL-Weitergabe einen schlechten Ruf. Das sind aber Probleme die längt gelöst sind.
***) Alle Browserhersteller arbeiten daran, die Cookies über zentrale Services zu synchronisieren.

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February 29th, 2012 at 2:19 pm

O2 UK schreibt Telefonnummer in http-Request-Header

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@lewispeckover hat offensichtlich entdeckt, dass O2 in UK einen transparenten Proxy* betreibt, der bei jedem Request** die Telefonnummer des Mobiltelefons an den aufzurufenden Server schickt.

If you’re on O2′s UK mobile network (not ADSL), you’ll (probably) see a line beginning with x-up-calling-line-id - followed by your mobile phone number in plain text. Other operators may use different headers, or hopefully none at all - let me know - I’m interested to know if other networks are doing it too.

Zu Testzwecken hat er ein Script geschrieben, das die Header-Informationen auf der Seite listet. Also wer von meinen Lesern zufällig auf der Insel ist und bei O2 einen Mobilvertrag hat kann ja mal draufgehen und nachsehen, ob dort die Telefonnummer steht.

Ich hatte ja auf dem Vortrag erzählt, dass das bei bestimmten mobilen White-Label-Paketen gängige Praxis ist. Dort wird diese Information allerdings nur an bestimmte vertragsrelevante Partner-Sites gesendet und nicht an jeden beliebigen Server.

Insofern vermute ich mal einen Konfigurationsfehler. Es könnte aber auch sein, dass O2 mit größeren Ad-Server-Betreibern Deals hat und die selektive Übermittlung dadurch nicht mehr ohne weiteres möglich wäre.

*) Ein transparenter Proxy routet die Requests und kann diese gegebenenfalls modifizieren. Wird eigentlich von fast allen Mobilfunkbetreibern verwendet um zum Beispiel das Caching zu optimieren.

**) Der Request-Header oder http-Request-Header wird von dem Browser an den WebServer gesendet und enthält alle wichtigen Informationen um eine Resource anzufordern. Die Response hat ebenfalls einen Header und informiert den Browser zum Beispiel über die Größe und das Verfallsdatum der Resource.

[Update] Collin Mulliner hat sich mit dem Thema ausführlicher beschäftigt und einige interessante Fakten zu Tage befördert. Darunter wird als Beispiel übrigens Bild mobil erwähnt, über die ja auch schon mal berichtete[/Update]

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January 25th, 2012 at 11:06 am

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Cached Canvas-Image als Cookie-Ersatz

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Im Rahmen einer Recherche habe ich mich mal eingehender mit der Funktionsweise und Browser-Kompatibilität von Cookie-Replacements beschäftigt. Als einzig sicheres, performantes und valides Verfahren stellt sich Cached-Canvas-Image dar. Hier kurz die Funktionsweise:

Beim erstmaligen Besuch einer Site wird in ein Canvas-Element ein Bild mit einem Bitmuster geladen. Dieses Bild wird vom Server on the fly generiert und mit einem Cache-Stempel weit in der Zukunft an den Browser gesendet.

Ein Bitmuster mit der ID "aeaeaec9c9c94f4f4fc3c3c3ffffffcccccc1d1d1d919191ffffffaaaaaa"

Beim späteren Besuch lädt der Browser das Bitmuster-Bild aus dem Cache. Danach werden mittels JavaScript die Farbwerte für die Pixel des Bildes ermittelt und daraus zusammen mit einer eindeutigen ID, die der Server in die Seite geschrieben hat, an den Server gesendet, z.B. per weiteren Image-Load. Auf dem Server werden dann die eindeutige ID mit dem Profil der ID in dem Bitmuster-Bild verknüpft.

Eine Testimplementierung ergab, dass trotz der Verwendung von Canvas der ganze Prozess auf einem aktuellen Rechner nicht mehr als 1/10 Sekunde dauert und damit keine Hürde für den weitflächigen Einsatz darstellt. Interessant ist, dass dieses Verfahren auch Site-übergreifend funktioniert und damit die Beschränkung von Cookies bzgl. Domains aushebelt.

Eine Abwandlung dieses Verfahren würde auch ohne Canvas funktionieren müsste dann aber eine erhebliche Anzahl von Requests auf ungecachte Images durchführen.

In unseren Tests zeigen die Browser Safari, Chrome und Firefox alle unisono das gleiche Verhalten: die ID wird korrekt aus dem Bitmuster ermittelt und somit der Browser ohne Cookie identifizierbar.

Anti-Tracking-Tools wie Ghostery können ein solches Vorgehen auf einer Web-Seite nicht erkennen und damit auch nicht unterbinden. Es hilft einzig das regelmäßige Löschen des Browser-Caches oder das Abschalten von JavaScript.

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January 4th, 2012 at 4:19 pm

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Vortrag auf dem #28C3 – Daten-Fee oder Datenvieh

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Auf dem 28C3 werde ich unter dem Titel Daten-Fee oder Datenvieh einen Vortrag halten. Im Kern geht es darum, wie, wer, woran und wieviel Geld mit den Nutzungs- und Nutzerdaten im Web verdient. Ich schlüssele den Umsatz der Online-Werbebranche von derzeit mehr als 6 Mrd. € auf und zeige, welche technischen Mittel die Branche verwendet, um die User über den tatsächlichen Datenfluss im Unklaren lässt.

[Update] Der Vortrag ist sehr gut gelaufen. Der Saal 3 war voll und das Publikum sehr interessiert und hat im Anschluss gute Fragen gestellt. Auch wenn ich nicht alle zu meiner eigenen Zufriedenheit beantworten konnte – trotz Überzug – war das Feedback nach dem Talk vor Ort und auf twitter sehr gut. Hat mich auf jeden Fall ermuntert, weiter aufklärend zu agieren.

Auf Youtube gibt es den Vortrag (noch als prerelease, Update kommt dann) hier.

Über twitter wurde ich noch auf diesen Artikel bei vdsetal zu Do-Not-Track aufmerksam gemacht.

Das Interview des Deutschlandfunk mit mir findet man in voller Länge hier (mp3) auf der 28c3-Seite.

Korrektur: Ich hatte in meinem Vortrag gesagt, dass Webtrekk eine Tochter von Axel Springer sei. Das ist nicht der Fall. (Danke für den Hinweis!)

[/Update]

 

 

 

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December 26th, 2011 at 3:47 pm

Datenschutz ja, aber bitte nur ohne Schutz der Daten

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Der Datenschutz und besonders die deutschen Datenschützer sind einer kleinen aber wortgewaltigen Gruppe von Firmen und Selbständigen offensichtlich ein Dorn im Auge. Sie werden nicht müde, zu betonen, dass die Verantwortlichen den Bezug zur Realität verloren haben. Vollkommen weltfremde Forderungen würden gestellt. Es wird das Menetekel einer Online-Wüste Deutschland an die Wand gemalt.

Mit einem vollkommen absurden Rant hat sich Nico Lumma grade hervorgetan. Er zitiert dazu eine größere Passage des jüngsten Beschlusses der Datenschützer in der im Kern folgende Punkte stehen:

  1. Der Betreiber einer WebSite ist für den Schutz der Daten seiner User verantwortlich.
  2. Die Sozialen Netzwerke geben keine oder nur ungenügende Auskunft, welche Daten durch ihr PlugIn erhoben werden und was mit diesen Daten geschieht.
  3. Der Betreiber einer WebSite muss seine Nutzer über diesen Umstand informieren und gegebenenfalls davor schützen.

Keiner dieser Punkte ist jedoch in irgendeiner Form anzuweifeln. Es ist geltendes Recht in Deutschland. Und wenn man sich die aktuellen Entwürfe aus Brüssel ansieht wird es auch demnächst geltendes Recht in Europa. Read the rest of this entry »

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December 9th, 2011 at 9:21 pm

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Google Analytics ignoriert Do-Not-Track

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Google Analytics zählt weiter fleissig Browser, die den Do-Not-Track-Header senden.

“‘Wissen Sie, ich hab’s Ihnen ja gesagt’ trifft es nicht so ganz.” ist eines meiner Lieblingsfilmzitate. Und so verwende ich es gerne und oft. Jetzt gibt’s wieder die Möglichkeit dazu:

Google Analytics ist das mit Abstand verbreitetste Tracking-Tool im Netz. Und obwohl Google der Do-Not-Track-Initiative eine eigene entgegengestellt hat, sollte man erwarten, dass Google den Wunsch der User respektiert. User, die in ihrem Browser die Option eingeschaltet haben (z.B. in Firefox oder in Safari mit Hilfe der Developer-Tools) wägen sich unbeobachtet, sind es aber nicht.

Bei eingeschalteter Option sendet der Browser bei jedem Request einen Header mit dem Namen ‘dnt’ und dem Wert ’1′. Eigentlich dürfte ein Tracking-Tool oder ein Ad-Server dann die Session-Daten nicht speichern. Damit dürften sie in den Statistiken von zum Beispiel Google Analytics nicht auftauchen. Allerdings erscheinen sie dennoch.

Besonders interessant dabei ist, dass in der Hilfe zu Google Analytics das Do-Not-Track-Verfahren als eine Möglichkeit für Site-Betreiber genannt wird, die eigenen Besuche auszusparen.

Google schweigt derzeit noch dazu, wann sie planen das Feature vernünftig zu unterstützen. Und es hilft sicher nicht, die Partner vorzuschicken und den Usern Sand in die Augen zu streuen in dem man behauptet, bei Do-Not-Track ginge es doch gar nicht um die Daten für Web-Analytics.

 

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December 4th, 2011 at 3:34 pm

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Die neuen Leiden der alten Content-Industrie

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Mit dem vorhergesagten Ende von Flash auf mobilen Geräten und dem damit ebenso vorhergesagten Ende von Flash auf den meisten anderen Geräten hat die Content-Industrie plötzlich ein Problem, das sie eigentlich als schon gelöst angesehen hatte:

Wie vertreiben wir unseren Content im Netz ohne jegliche Kopiermöglichkeit?

Die drei wichtigsten Distributionskanäle (Kino, Silberscheibe, TV) sind alle – trotz hartnäckiger Bemühungen – geknackt. Daher finden sich alle dort veröffentlichten Filme innerhalb kürzester Zeit auf allen Verbreitungsplattformen im Netz.

Ein sicherer Channel im Netz hätte die Chance geboten, wenigstens die Filme die es nicht ins Kino schaffen, weil sie dort keinen großen Erfolg versprechen, längere Zeit im Netz laufen zu lassen, ohne dass die Kunden andere als die kostenpflichtigen Quellen nutzen könnten. Das hätte eine schier unerschöpfliche Quelle ewigen Reichtums sein können.

Nun ist Flash tot und ausser Apple hat nur Microsoft ein qualitativ hochwertiges Video-Format wie H.264 im Bundle mit einem halbwegs sicheren DRM. Daher verwundert es nicht, wenn die Content-Leute auf die abstruse Idee kommen, von den Distributions-Plattformen zu verlangen, dass nun Silverlight verwendet wird. Nach Netflix wird auch Lovefilm Silverlight verwenden. Ob diese Entscheidung Microsoft wirklich freuen kann, darf ernsthaft bezweifelt werden. Denn eigentlich steht Silverlight bei MS schon länger auf der Abschussliste.

Die User von Lovefilm sind offensichtlich verärgert über diese Entscheidung und so hat es diese Dinosaurierindustrie mal wieder geschafft, an den Bedürfnissen der User vorbei Entscheidungen durchzusetzen und sich ins Abseits zu manövrieren.

 

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November 23rd, 2011 at 4:12 pm

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Google wird nervös und kauft Motorola-Mobilfunksparte

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Für 12,5 Mrd. Dollar hat Google heute die Mobilfunksparte von Motorola gekauft. In der Mitteilung von Larry Page himself auf dem Company-Blog findet sich auch direkt der Verweis auf den eigentlichen Hintergrund: zukünftige Patentkriege (siehe “Zurück in die Vergangenheit“).

We recently explained how companies including Microsoft and Apple are banding together in anti-competitive patent attacks on Android.

Mein erster Impuls war: sind die bescheuert?! Ähnlich reagieren offensichtlich auch die Investoren. Während der Nokia und RIM im Pre-market um bis zu 5% zulegen, verliert Google grade 2,5% (wobei an der Börse bei einem solchen Deal immer der Käufer leidet und der Verkäufer gewinnt). Die Anleger vermuten mit Sicherheit (und zu Recht), dass Google/Android nun Third-Party-Hersteller verliert. Ohne klare Absprachen mit Google über den Schutz von Märkten (Motorola in Amerika und HTC in Asien) werden sicher einige Hersteller die Plattform mittelfristig verlassen.

Ein Verlust, den Google offensichtlich billigend in Kauf nimmt. Welche darüber hinaus reichenden Verluste, Google dafür noch in Kauf nehmen muss ist derzeit natürlich nicht absehbar. Als offener Konkurrent zu Apple wird die Suchmaschine, die Videoplattform und die Map sicher nicht mehr lange Standardausrüstung von iOS sein.

Offensichtlich hat Google jedoch so viel in Android investiert, dass die zukünftigen Patentkriege das Investment derart bedrohen, dass sich Google nicht anders zu schützen weiss. Und tatsächlich ist Motorola natürlich ein Schwergewicht unter den Patentinhabern (Nokia und Apple je ~10k, Moto ~17k) im Bereich Mobilfunk.

Deutlich ist auch, dass Motorola in der letzten Dekade nicht in der Lage war, sein Potential auszuschöpfen. Bis auf das Razr kam nichts wirklich bewegendes auf den Markt. Der Umgang mit Android (Xoom, Dongle …) dürfte Google auch keine Freude gemacht haben.

Bei einem Marktanteil von inzwischen 50% der Smartphone-Verkäufe denkt sich Google offensichtlich:

Wenn Android trotz katastrophalem Herstellergebarens ALLER Lizenznehmer so erfolgreich ist, dann müssten wir das mit unserer Passion und unserem Wissen doch auch alleine genauso hinbekommen, wenn nicht sogar besser!

Das dürfte die riskanteste Managemententscheidung sein, die ich seit Nokia/MS gehört habe. Eine sehr, sehr große Wette. Oder mit anderen Worten:

… this is either the smartest thing Google has ever done, or the dumbest. There is no in-between.

 

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August 15th, 2011 at 12:22 pm

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Zurück in die Vergangenheit

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Patentkriege, Netzneutralität, kaputte iPads, Kontrollverlust, Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren, Content-Blocking …

Davon lese ich in letzter Zeit und denke “das kommt dir bekannt vor”, “du hast das schon mal gelesen”. Zum Beispiel bei J. G. Ballard und seinen bedrückenden Kurzgeschichten über eine nahe Zukunft. Die Erzählungen in dem Band “Das Katastrophengebiet” sind zum Teil über 50 Jahre alt. “Der unterbewußte Mann” erkennt zum Beispiel als einziger, dass seine gesamte Umwelt vollgestellt ist mit Werbetafeln, die ihre Botschaften direkt ins Unterbewusstsein einspeisen.

An diese Geschichte musste ich denken als ich heute den Artikel “US internet providers hijacking users’ search queries” las (Danke +Kristian Köhntopp). Einige amerikanische Provider haben danach Deals mit Vermarktern und leiten Suchanfragen der Provider-Kunden direkt auf Sites derer Kunden. Man stelle sich vor, die Gasag würde für meine Spülmaschine nur Strom ausliefern, der für Siemens-Geräte ist.

Aber halt! Das gab es doch schonmal. Die ersten Stromnetze hatten ja jeweils ihre eigenen Volts und Frequenzen. Und tatsächlich konnte man damals nicht einfach einen Motor kaufen und davon ausgehen, dass er mit dem gelieferten Strom auch laufen würde.

Und auch die lächerliche Reportage von Akte 2011 über defekte iPads, die die Bild-Online-Seiten nicht darstellen können, fällt unter die Kategorie “bewährte Verfahren der Vergangenheit”. “Broken by Design” war schon immer ein Mittel, zukünftige Märkte aufzubauen. Wenn man es schafft eine kritische Masse zu erreichen ist ein kontinuierlicher Gewinnstrom fast automatisch garantiert.

Aber nur fast. Denn man muss sich ja davor schützen, dass die Konkurrenten die gleiche Technik verwenden aber billiger produzieren oder mit geringerer Marge zufrieden sind. Oder vielleicht gar ein besseres Geschäftsmodell haben. Etwa wie bei Google vs. Microsoft. Dass Google nicht wirklich um den Patentpool von Nortel mitbieten wollte, konnte man ja schon an den abgegebenen Geboten sehen. Das letzte Angebot betrug 3,14. Nachdem sie zuvor verschiedene andere Konstanten abgeliefert haben.

Dabei ist eigentlich die Frage bei Patenten doch die: Warum sollte ein Verfahren schützenswert sein, wenn damit eine kritische Masse erreicht wird? Die kritische Masse, also der Erfolg im Markt sollte doch Belohnung genug sein. Das Verfahren selbst kann doch nur dann einem besonderen Schutz unterliegen, wenn die eindeutige Absicht besteht, sich den Marktmechanismen zu verwehren.

An diesem Punkt hat Google vollkommen Recht, wenn es die gängige Patentpraxis und insbesondere den Erwerb eines Patentpools durch ein Kartell als wettbewerbswidrig bezeichnet. Und John Gruber schiesst sich leider ausnahmsweise ins Abseits, wenn er Google Gejammer über das Verhalten der Konkurrenten unterstellt. (Dass er sich inzwischen auf formale Kritik zurückzieht, zeigt lediglich, dass er sich seines Irrtums bewusst wird.)

Google ist nach meiner Meinung der wichtigste Vertreter der Wirtschaft, der nicht die althergebrachte Art und Weise des Wirtschaftens vertritt. Offenheit ist Firmenpolitik. Wie andere Unternehmen schafft es selbstverständlich auch Google nicht, die eigene Firmenpolitik in allen Bereichen 100%ig umzusetzen. Aber was will man auch von einem 12-jährigen erwarten. Die Firma ist anscheinend auch für den Dialog offen, ob sie irgendwas falsch gemacht hat, wie zum Beispiel bei der Klarnamenrichtlinie von Google Plus. Vertreter des alten Wirtschaftens wie Apple oder Microsoft kann man solche Dialogbereitschaft nicht unterstellen.

Es ist sicher nicht mein Ziel, dass Google größer und größer wird, dass die Anleger sich einen goldenen Arsch mit Google-Aktien verdienen. Aber ich bin für die Beseitigung des Patent(un)wesens und ich bin für Netzneutralität. Und beides sind Ziele für die Google Lobbyarbeit macht. Sowohl in Washington als auch in Brüssel und in Peking. Aber auch auf technischer Ebene durch eigene DNS-Server oder https.

Je größer Google jedoch ist, desto mehr wird das Modell Offenheit Anklang bei anderen Firmen finden. Investoren werden sich vielleicht fragen, warum sie in jahrelange Rechtsstreitigkeiten investieren sollten, wenn man kurzfristiger mit Investments in offene Geschäftsmodelle mehr verdienen kann.

Oder Google kauft sich selbst ein riesiges Patentportfolio z.B. Motorola …

 

Written by qrios

August 6th, 2011 at 1:53 pm

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