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Yet another broadcasting channel: Google Plus
Alle Charts über den guten Start von Google Plus sagen eigentlich nur, dass viele Leute wissen möchten, wie das soziale Netzwerk von Google aussieht. Die Frage, die die veröffentlichten Zahlen (zum Beispiel von Comscore: mehr als 20 Mio User) nicht beantworten können, lautet: funktioniert die Mechanik von Google Plus? Es spricht nach meiner Meinung einiges dafür, dass sich Google verrechnet hat.
Die Spannweite der Meinungen zu Google Plus zeigen zwei Posts von zwei Heavy-Usern. +Kristian Köhntopp schreibt:
@isotopp(stillgelegt) auf Twitter hatte 2264 Follower. Das hat recht lange gedauert.
Die Plusteria gibt es erst ein paar Wochen, und da sind nun schon 3100 Follower hinter mir her.
Ich glaube wirklich, daß Twitter bald einpacken kann.
+Nicole Simon geht jedoch wieder zurück zu facebook und twitter:
The reason I am going back to Facebook and Twitter to ‘read’ updates?
Because they don’t scroll down the moment somebody new posts something. This instant update might work if you have like 5 friends in your circles.
Warum funktioniert die Mechanik nicht?
Kern der Mechanik ist die Circle-Lehre also der Mix aus twitter-Follower-Logik und facebook-Gruppen. Nicht mehr Teil der Mechanik, aber natürlich wesentlich für den Erfolg, sind die Funktionen des Interfaces. (Damit und mit der Klarnamenfrage hatte ich mich aber schon beschäftigt.)
Grundsätzlich wird die Circle-Lehre als zu kompliziert für die DAUs bezeichnet. Mails mit Betreffzeilen wie “Kannst Du meine Nachricht sehen?” gab’s von vielen meiner Eingeladenen. Vor dem Hintergrund der Datenlecks in den letzten Monaten und der Diskussionen über Personaler, die sich gerne Partyfotos ansehen ist verständlich, dass die Nutzer anfangs eher vorsichtig posten und den Kreis der Leser eher zu klein halten.
So ist es kein Wunder, dass sich +mspr0 – seines Zeichens Speerspitze der Postprivacy-Bewegung – als digitaler Robin Hood betätigt und Posts aus den Circeln befreit. Dass dies prinzipiell geht (obwohl man eine Warnung bekommt, man möge vorsichtig sein) stellt nach meiner Meinung einen Designfehler dar. Ganz abgesehen von dem absolut nervenden Umstand, der sich dadurch ewig wiederholenden animierten Gifs.
Im Prinzip handelt es sich bei Google Plus um eine dissipative Struktur. Ein Element einer Struktur wird angeregt/informiert, reagiert daraufhin und regt an/informiert andere Elemente. Das ursprüngliche Element erhält ein Feedback und konstruiert danach ein Abbild seiner Umgebung. Der beste Einstieg in das Thema dissipativer Systeme ist nach wie vor von Erich Jantsch mit dem recht bombastischen Titel “Die Selbstorganisation des Universums. Vom Urknall zum menschlichen Geist“.
Bei Google Plus funktioniert dieser “Mechanismus” nur sehr bedingt. Postet ein Nutzer eine Nachricht an einen bestimmten Kreis von Leuten, denen er folgt erhält er in den meisten Fällen kein Feedback darüber, wer von diesen Usern die Nachricht sehen kann (Kontrollverlust …). Selbst bei Nutzern, die ihm auch folgen, ist nicht gewährleistet, dass diese auch den kompletten Stream lesen oder den jeweiligen Circle-Stream. (Daran ändert auch das heutige Update nichts.)
Ein weiterer Effekt der inneren Mechanik ist für den notwendigen Schneeballeffekt wahrscheinlich noch katastrophaler. Da viele User nur in ihren Kreisen posten, erscheint auf ihrer Profilseite keine einzige Nachricht, wenn ich nicht in einem ihrer Circle bin. Warum aber sollte ich jemandem folgen, der nichts veröffentlicht. Besonders in der Anfangsphase stellt sich dies als echter Showstopper dar.
Geht man von einer 90/10-artigen Regel für die Verteilung von Voyeuren und Exhibitionisten auch bei Google Plus aus, führt dieser Mechanismus jedoch zu einem unidirektionalen Sender-Empfänger-Verhalten. Wenige Nutzer betätigen sich als Broadcaster und teilen permanent die Inhalte, die andere Broadcaster eingestellt haben. Die Eigenschaft des Webinterfaces, alte Nachrichten immer wieder hervorzukramen nur weil noch jemand seinen Senf dazu gegeben hat, verstärkt den Effekt noch. Und so überrascht es nicht, wenn meine Timeline mit 100+ Posts im Schnitt von maximal 10 Leuten gefüllt wird. Und ausnahmslos alle aus den G+-Charts in meinem Stream posten public. Demgegenüber sind die Nachrichten aus meinem weiteren sozialen Umfeld (welches man nicht als analog bezeichnen könnte) nur eingeschränkt zu lesen.
That sounds exactly like the thinking of a machine to me.
Von einem sozialen Netzwerk ist Google Plus damit weiter entfernt als fb und twitter. Besonders vor dem Hintergrund des momentanen Gamification-Hypes frage ich mich, warum dieser Effekt in den internen Tests nicht aufgefallen ist. Vermutlich erhofften sich die Mitarbeiter Vorteile in ihrem Arbeitskontext und waren daher fleissigere Nutzer als sie es ansonsten gewesen wären. In der aktuellen Form bietet Google Plus nur Belohnungen für die Exhibitionisten. Und wenn die Voyeure wegbleiben, dann gibt es auch keine Belohnung mehr für die Exhibitionisten.
Link-Tipp: Zalando Bewertung
Bei der Kassenzone gibt es eine umfangreiche und gut geschriebene Analyse zu Zalando und der aktuellen Bewertung der Firma. Obwohl bei diesem Thema viel im Nebel gestochert werden muss hebt sich der Artikel wohltuend von Hype- und Bashing-Elaboraten andernorts ab.
Kleine Google+-Circle-Lehre
Seit vier Tagen stellt sich für die Nutzer von Google Plus (aka G+) die Frage, wie man mit den Kreisen (Circles) umgehen soll. Vor allem die Frage, wer, was, wo, wann sieht, ist nicht unbedingt eingängig.
Wann und wo sehe ich ein Posting?
| Post in → ↓ Meine Einordnung |
Public | Extended Circles | Circle(s) mit mir | Direkt |
| Poster ist gezirkelt | Stream, Circle mit Poster |
Stream, Circle mit Poster |
Stream, Circle mit Poster |
Stream, Circle mit Poster |
| Poster ist nicht gezirkelt | - | Stream (wenn es eine Übereckbeziehung gibt) | Incoming | Incoming |
| Poster geblockt | - | - | - | - |
Neben dem Stream, den Circles und ‘Incoming’ gibt es noch ‘Notifications’. Dort erscheinen unter anderem auch die Kommentare auf Nachrichten, die man jemanden direkt geschickt hat. Diese Nachrichten selbst findet man ansonsten auch in dem eigenen Profil unter ‘Posts’.
Eigentlich halte ich die Idee für schlüssig und hätte gerne auch noch geschachtelte Kreise. Allerdings vermute ich, dass das System bereits jetzt zu kompliziert für meine Mutter ist. Mal sehen, welche Änderungen noch kommen. Vorschläge gibt es viele …
Ein sehr subjektiver Google+-Rant
Mein erster Comment zu Google+ war:
Das war’s dann wohl mit facebook
Da hatte ich die Videos kurz durchgesehen und war begeistert. Inzwischen hat sich meine Euphorie gelegt und ist der Frage gewichen, wie wohl das Ende von Google+ aussehen wird. Kommen wird es auf die eine oder andere Art.
Was ist Google+ eigentlich?
Für mich ist Google+ momentan nicht mehr als twitter mit Chat-Funktion und Gruppen. Mit der Chat-Funktion meine ich allerdings nicht talk oder Hangout sondern die Kommentare in meiner Timeline. Und diese machen das System eigentlich für mich vollkommen uninteressant. Nein, eigentlich das falsche Wort. Sie machen es zu einem Zeitkiller. Wie Johnny vom spreeblick (der sich übrigens wohlwollend zu Google+ äusserte) sagte:
Muss. Google+. Geschlossen. Lassen. Will. Arbeit. Schaffen.
Ich möchte Comments nicht automatisch sehen. Ich bin viel zu schnell abgelenkt. Und vor allem sind sie eine gnadenlose Platzverschwendung.
Überhaupt Platzverschwendung …
Rechte und linke Spalte nehmen bei mir ca. 50% der sichtbaren Breite weg. Dabei sind es nur Funktionen, die ich eigentlich nur bei Bedarf brauche und die offensichtlich auch keine zusätzlichen Updates enthalten. Im Schnitt sehe ich zwei Posts. Wenn jemand ein Bild postet und dieses mehrfach kommentiert wird sogar nur einen. Da der Content-Bereich eine feste Breite hat nutzt mir ein breiteres Fenster nichts. Zur Verwaltung der Circle braucht man aber spätestens beim fünften Kreis ein breiteres Fenster.
Plus vs. Share
Google hat leider nicht den Mut gehabt, alte Zöpfe abzuschneiden. Die Ambivalenz von Like/Share und Fav/Retweet muss nicht sein und nervt total. Momentan ist ein Share auch noch so schlecht umgesetzt, dass ein und der gleiche Eintrag mehrfach in der Timeline auftaucht. Und wahrscheinlich kann es konzeptionell auch nicht anders gelöst werden, denn: Wohin mit den Comments, die sich ja immer auch auf den Sharer beziehen? Mit einem mutigen “weniger ist mehr” hätte Google erheblich Komplexität (des Interfaces) und Unsicherheit (der User) aus dem System nehmen können.
-Google+-API
Es gibt noch keine API. Hallo? Wie hat Google das denn ohne saubere Schnittstelle entwickelt? Wenigstens die Basisfunktionen hätten sie anbieten können. Dann gäbe es nämlich innerhalb weniger Tage platzsparendere Interfaces.
Sortierung der Timeline
Die Postings werden auch bei Google+ nach Relevanz sortiert. Und das nervt ungemein. Dieses Feature ist einer der Hauptgründe, warum ich facebook nicht benutze und twitter liebe. Wie sollte denn eine Maschine wissen, was ich grade bevorzuge? Ich weiss es doch selbst nicht mal. Wann ich was spannend finde hängt von so vielen Faktoren ab, dass möglicherweise sogar Quanteneffekte Einfluss haben. Ich will wenigstens den fb-Button für “Neueste Meldungen”.
Keine Nicknames
Was hat Google geritten, die Nicknames wegzulassen? Die Hälfte der Bevölkerung sind weiblich und sehr viele von denen (und nicht nur von denen) mögen es nicht, mit ihren Klarnamen in öffentlichen Profilen zu erscheinen. Und sowohl bei facebook als auch bei twitter haben sich viele für einen oder mehrere Netzidentitäten entschieden. Eine berechtigte Frage also von @da_niesl:
Hilfe, waas sind das für Menschen und Namen bei Google+?
Photos?
Eine der merkwürdigsten Funktionen dürfte sicher “Photos” sein. Eine Seite auf der Photos von Usern aus meinen Zirkeln dargestellt werden. Wenn dann jemand einen Bulk-Upload seiner Fotos macht sehe ich dort lauter vollkommen uninteressante Almbilder. Die habe ich mir übrigens schon ansehen müssen, als derjenige sie in meine Timeline geschüttet hat.
…
Nach einem Tag mit Google+ bleibt eigentlich nicht mehr als die große Verwunderung drüber, dass es nun facebook für alle gibt, die facebook nicht leiden können. Wenn das die Aufgabe an die Entwickler war, dann haben sie ihre Arbeit gut gemacht. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Webdesign ohne Rücksicht auf die Nutzer
Eine immer wiederkehrende Frage in Relaunchprojekten lautet: Gibt es denn Zahlen über die Verbreitung der Bildschirmauflösungen? Einfache Geister fragen auch gerne: Sind 21-Zoll-Monitore heute Standard? Im Kern geht es darum, festzulegen, für welche Auflösung die Site in Zukunft optimiert werden soll.
Besonders der Relaunch von golem.de durch die information architects hat mich veranlasst, die Frage mal an Hand einer großen General-News-Site mit mehreren Millionen Visits pro Monat zu beantworten. Die Zahlen bei golem könnten davon abweichen, da es sich um ein technophiles Publikum handelt. (Allerdings wage ich die Aussage, dass diese noch eher zu mobilen Geräten greifen, als die Nutzer bei der News-Site) Denn tatsächlich fällt mir bei golem auf, dass ich als Leser beim Aufruf der Startseite nur noch sehr, sehr wenig Inhalt sehe.

Bildschirmauflösungen mit einer Höhe größer als 1200 Pixel sind mit 5% als Exoten zu bezeichen.
Und tatsächlich spiegelt sich in der Auswertung der Trend zu Notebooks, Netbooks und mobilen Geräten wieder. Fast 95% aller User hat einen Bildschirm mit einer Auflösungshöhe von 1200 oder weniger Pixeln. Knapp die Hälfte aller Rechner kommt mit einer Höhe von unter 960 Pixeln auf die Site. Darunter fallen zum Beispiel die neuen MacBook Air mit 1366 x 768 Pixeln.

Auf meinem Rechner sieht golem bei Standardeinstellungen zum Beispiel so aus: die aktuellen Inhalte muss man sich erst erscrollen.
Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass sich Rechner mit einem Verhältnis von 16:9 deutlich durchsetzen: ein Viertel der User mit einer Höhe zwischen 720 und 960 Pixeln hat eine Bildschirmbreite von 1440 bis 1680 Pixeln. Der Vollständigkeit halber hier noch die Breite in Bezug zur Höhe:

Die prozentuale Verteilung der gerundeten Breite (X-Achse) zur Höhe (Y-Achse) der Bildschirmauflösung.
Obwohl mir das aufgeräumte Layout der Arbeiten von information architects normalerweise gefällt halte ich den Trend zu “aufgeräumtem” Layout für eine Entwicklung, die an den technischen Gegebenheiten der meisten User vorbeigeht.
Heute im Angebot: 35 Millionen qualifizierte GMail-Adressen
Matthijs R. Koot von der Universität Amsterdam hat gestern einen Artikel gepostet der mich ungläubig mein Terminal aufmachen liess um zu überprüfen, was er da geschrieben hat. Die Liste aller GMail-Nutzer ist abrufbar und zwar ohne mit irgendeiner fiesen Brute-Force-Attacke zu arbeiten. Laut Koot hat er innerhalb eines Monats 35Mio Profile geladen.

Mein Google-Profil mit Location, Links zu Blog und tumblr und Buzz/twitter
Und tatsächlich erlaubt nach wie vor die robots.txt das automatische Durchforsten. Dank Sitemap-XML bekommt man sogar die komplette Liste frei Haus geliefert.
Die Sitemap enthält ca. 7000 URLs zu weiteren Listen von jeweils 5000 Profilen. Das macht tatsächlich 35.000.000 Profile. Eine Profil-URL enthält im Normalfall den Namen des Nutzers und die Nutzer-ID. Letztere ist offensichtlich identisch mit der GMail-Adresse. Hat der Nutzer – wie ich – weitere Angaben zu seiner Person gemacht sind diese auf dieser Seite verfügbar und können ausgelesen werden.
Bei mir ist zum Beispiel die Verknüpfung von twitter zu Buzz eingestellt, was meine Tweets verfügbar macht. Da ich manchmal auch Google Latitude verwende kann man mit minimalem Aufwand meinen Hauptaufenthaltsort aus der URL zu einer statischen Karte auslesen.
Ich bin mir doch ziemlich sicher, dass die meisten Nutzer von GMail kein gesteigertes Interesse daran haben, dass ihre Adressen mit Nutzernamen, Foto und möglicherweise weiteren Infos wie Picasa-Account in irgendwelchen Datenbanken von meist dubiosen Firmen oder Personen landen. Und ganz ehrlich: von den VZ-Netzwerken habe ich das Bewusstsein für den Schutz der Privatsphäre nicht erwartet. Von Google allerdings schon.
Do Not Track: Google in der Klemme [Update]
… I don’t know what a Do Not Track header is. …
Googles Chefanwalt für Datenschutz Keith Enright weiss nicht, was der Do-Not-Track-Header ist oder besser was er tun soll beziehungsweise, was Anbieter machen sollen, wenn ein Browser mit dieser Einstellung vorbeischaut.
Tatsächlich fügt Enright mit dieser Aussage meinem Hauptkritikpunkt an dieser Technik einen weiteren wichtigen Punkt hinzu: die User Experience. Was erwartet ein User, wenn er dieses Feature des Browsers einschaltet? Auch Anne Toth, Privacy-Chefin bei Yahoo, gibt zu, dass sie nicht wissen, was der Nutzer meint, wenn er diese Option einschaltet. Damit machen sie nun eine weitere Front gegen die Technik auf, nachdem sie es bisher – Seite an Seite mit facebook – damit probiert haben, den großen Jobabbau als Menetekel an die Wand zu malen oder gar mit sinkender Sicherheit zu drohen.
Für Google ist die Situation jedoch besonders kompliziert, da die Firma sowohl einen Browser anbietet – und diesen mit Funktionen für die Bearbeitung von Flash-Cookies als ‘Privacy-Browser’ etablieren möchte – als auch ein Schwergewicht im Online-Ad-Markt ist. Mit Produkten wie Doubleclick, AdSense und AdWords verdient Google den größten Teil seines Geldes. Hinzu kommt Google Analytics als Crowd-Sourcing-Tool für die Verbesserung aller Google-Dienste.
Das Ende von Visits und Unique Visitors
Würde man annehmen, dass der User von der Do-Not-Track-Funktion erwarten könnte, dass kein Anbieter zwischen zwei Seitenaufrufen einen Bezug herstellen könnte, hätte man die maximale Nutzererwartung – recht abstrakt – beschrieben. Die einfachste technische Umsetzung dafür wäre ein transparenter Proxy, der bei allen Aufrufen mit dem Do-Not-Track-Header die Requests anonymisiert und erst dann an den Web-Server weiterzuleiten.
Damit würden aber die beiden wichtigsten Währungen der Online-Werbewirtschaft Visits und Unique Visitors obsolete werden. Die meisten Display-Ads werden aber danach abgerechnet. Diese beiden Kennziffern sind am ehesten mit den klassischen Messwerten Kontakt und Reichweite vergleichbar und werden im Marketingmix diesen beiden oft gleichgesetzt.
Xing Relaunch: Kritik der reinen Leere
Seit dem letzten Rebrush von Xing im März nervt mich die Platzverschwendung mit der die wenigen noch verbliebenen Informationen über die Seiten verstreut sind. Xing scheint nun noch mal nachlegen zu wollen und gibt einen Einblick in die Entwürfe für einen kompletten Relaunch. Unter http://whatsnew.xing.com/de/ kann man sich die Screens ansehen. (Es handelt sich offenbar nicht um HTML-Dummies, weswegen sich nichts über Spaltenbreite oder Skalierung sagen lässt wohl aber über eine merkwürdige Art des kreativen Prozesses …)
Bevor man sich mit den Funktionen und deren Anordnung beschäftigt, fällt als erstes unangenehm auf, dass Xing wertvollen Platz im sichtbaren Bereich der Seite (z.B. Gruppen, Jobs) für große Stockfotos verschwendet.
Die eigentlichen Funktionen sind an drei Positionen angeordnet. Dabei wird jedoch jeweils eine vollkommen andere Art der Darstellung verwendet. Links sieht man Icons, die mit Badges zum Beispiel auf eingegangene Nachrichten hinweisen. Diese Badges werden aber nicht konsistent verwendet, da es offensichtlich keine Nachrichtenfunktion für Firmen gibt.
Das Hauptmenü wurde erheblich ausgedünnt und die Preview gibt keinen Aufschluss darüber, ob es sich um Pulldown-Menüs handelt. Ein kleiner Pointer zeigt an, in welchem Bereich man sich momentan befindet. Wirklich grausam ist jedoch das Submenü. Die Unterpunkte hängen frei in der Luft rum. Diese visuelle Fehlleistung wird noch von der Banderole daneben getoppt. Diese scheint nur manchmal zu existieren und verweist mit einem Pfeil auf die rechte Spalte in die reine Leere.
Neben den Icons links hat Xing noch ein anderes UI-Element von facebook und Linkedin abgeschaut: Nachrichten werden offensichtlich in Zukunft in einem Popover dargestellt. Abgesehen von erheblichen Problemen beim Scrollen auf Touch-Devices nervt eine solche Darstellung bei starkem Mail-Aufkommen erheblich.
Die eigentlichen inhaltlichen Änderungen lassen sich erst im Betrieb beurteilen. Im Forum wurde bisher schon einige Kritik geäussert. Im Juni soll es soweit sein. Meine Empfehlung wäre jedoch, alles einzustampfen und jemanden damit beauftragen, der sich damit auskennt.
ClickToFlash offensichtlich weit verbreitet
Flash geniesst insbesondere bei Mac-Nutzern nicht den besten Ruf. Der Hauptgrund dafür sind sicher nicht ideologische Gründe (wie bei mir) sondern der extreme Leistungshunger. Die Browsererweiterung ClickToFlash führt daher zur erheblichen Entspannung der Situation und Abkühlung des Prozessors. Ruft man damit eine Seite mit Flash auf, behauptet das PlugIn, es sei das Flash-PlugIn und stellt statt des Flash-Films einen Platzhalter dar. Erst nach einem Klick auf diesen Platzhalter wird das richtige Flash geladen. Neben der Reduzierung des Prozessorhungers führt dies unter anderem auch zu einem schnelleren Laden insbesondere auf Newseiten, da – für viele sicher ein angenehmer Nebeneffekt – auch viele Werbebanner nicht geladen werden.
Bisher war allerdings nicht klar, wie viele Nutzer ClickToFlash tatsächlich benutzen. Auf einer großen Site mit mehreren Millionen Nutzern hatte ich Gelegenheit, mit Google Analytics dieser Frage nachzugehen. Da Google Analytics als PlugIns nur Flash und Java ausgibt, kann man die Frage nur indirekt beantworten. Die Erfassung durch Google liefert jedoch nur bei dem tatsächlichen Flash eine Versionsnummer. Für Browser mit ClickToFlash meldet Analytics “(not set)”. Die folgenden Daten basieren auf den letzten vier Wochen. Es werden die Flash-Versionen ausschliesslich für Besucher mit Safari unter MacOSX dargestellt. Insgesamt entsprechen sie etwa 2,5% und mehrere hunderttausende aller Besucher.

Fast jeder zweite Safari-OSX-User hat offensichtlich ClickToFlash installiert.
Es ist anzunehmen, dass unter den 42% ohne Flash-Version nicht nur ClickToFlash-Nutzer sind. Immerhin liefert Apple die aktuellen Geräte ohne Flash aus. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass diese Nutzer lange ohne Flash unterwegs sind, da sie früher oder später doch auf eine Seite stoßen, die ohne Flash nicht zu benutzen ist.
Zusammen mit anderen Systemen (Windows, iOS, Android, etc,) und Browsern (Firefox, Chrome, etc.) finden sich momentan knapp 8% aller Besucher der Site, die kein Flash sehen können oder es per default ausgeschaltet haben. Auf meiner Seite sind es übrigens 12,5%.
Warum unterstützt Google Flash?
Gestern gab Google auf dem Webmaster Blog bekannt, dass die Suchmaschine nun bei der Webseitenvorschau auch Flash-Inhalte anzeigt. Bei diesem Feature wird rechts der Suchergebnisse eine verkleinerte Vorschau der jeweiligen Seite angezeigt, auf die man grade mit der Maus zeige.
Wer sich mal mit der Aufgabe “automatisierte Screenshots erstellen” beschäftigt hat, weiss, dass es sich um ein ätzendes Thema – oder Neusprech: eine echte Herausforderung – handelt. Nicht umsonst gibt es hunderte unfertige Tools und etliche kostenpflichtige Services dafür. Und alle können Flash nicht oder nur unzureichend abbilden.
Google führt damit seine jüngste Firmenpraxis, nach der Flash nicht evil ist, weiter. Den/Uns HTML-Standard-Evangelisten wird ein weiteres Argument aus der Hand genommen, Kunden Flash auszureden. Das ist nicht weiter schlimm, weil andere Argumente einen immer größeren Marktanteil gewinnen.
Aber dennoch stellt sich die Frage, warum Google als Firma-gewordene Inkarnation der guten Seite der Macht (zumindest aus Sicht vieler Entwickler), dieses Kainsmal des Webs unterstützt.
Die Antwort dürfte schlicht und einfach sein: Weil sie es können.
Kein Konkurrent scheint in der Lage, mit dem Entwicklungstempo von Google mitzuhalten. Und diese Entwicklungen sind in vielen Fällen kleine Erweiterungen, die für den Wald- und Wiesen-User den eigentlichen USP von Google ausmachen. Sei es Streetview oder ein offener DNS, seien es Docs oder eben Preview-Images von Flash-Sites, die User erhalten ein Rundum-Wohlfühl-Paket, was sie davon abhält, andere Services zu benutzen.
Also steckt dahinter vermutlich keine Agenda zugunsten von Flash. Hoffentlich …