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IT ist kurios!

und täglich grüßt das murmeltier: flash auf dem ipad

9 Kommentare

John Gruber schreibt in einem tollen Artikel “Apple, Adobe, and Flash” warum er Apples Strategie in Bezug auf Flash auf dem iPhone-OS unterstützt. Einerseits stellt er dar, dass es für Apple wesentlich einfacher ist, das Betriebssystem zu warten und weiterzuentwickeln, wenn alle Komponenten von Apple selbst kommen. Andererseits glaubt Gruber, Apple hätte ein idealistisches – neben dem wirtschaftlichen – Interesse, die Verbreitung der proprietären Technik Flash einzudämmen.

In Süddeutschland würde man das wohl hinterfotzig nennen. Aber nur, wenn man denkt wie Steve Jobs.

In der Präsentation des iPads rief Steve Jobs unter anderem die NYT auf. Auf der Seite war offensichtlich eine Werbung, die Flash verwendete. Statt der Anzeige erschien nur das Zeichen für ein nicht unterstützes Plug-In. Engadget veröffentlichte das Bild und prompt entspann sich eine Diskussion im Netz über das alte Thema, warum Apple sich standhaft weigert, Adobe zu gestatten und zu unterstützen, Flash zu portieren.

Ein gravierender Präsentationsfehler von Steve Jobs? Wohl kaum. (Ruft man die Seite mit einem iPhone auf erkennen die Ad-Server das Gerät und liefern z.B. animierte Gifs aus.) Das dürfte eine bewusste Demütigung für Adobe gewesen sein und eine Warnung an die gesamte Online-Werbebranche:

Rechnet in Zukunft damit, dass ihr immer mehr eurer Kunden verlieren werdet, wenn ihr weiterhin auf diesen Müll setzt.

Schon heute stellen iPhone und iPod Touch einen nicht zu unterschätzenden Teil der Web-Nutzer dar. Bei den meisten Sites sind es nicht mehr als wenige Prozente. Verglichen mit anderen mobilen Geräten führen sie allerdings schon alle Charts an. Früher oder später stellt sich für Publisher und Ad-Netzwerke die Frage, ob die entgangenen Einnahmen nicht die Mehrausgaben für Flash-freie Angebote rechtfertigen. Wenn diese Frage mit Ja beantwortet wird ist es nicht mehr weit zu der Frage: Lohnt sich der Mehraufwand für Flash eigentlich noch?

Hinter all dem steht mit Sicherheit nicht nur der Ärger über den CPU-Fresser Flash, sondern auch eine generelle Ablehnung aller werbefinanzierten Finanzierungsmodelle durch Jobs. Und genau dadurch hilft er der gebeutelten Medienbranche. Denn, wenn Leser in Zukunft für die digitalen Abonnements bezahlen profitieren Publisher auf zwei Seiten: direkt durch die Einkünfte aus den Bezahlangeboten und indirekt, weil die Fläche für Werbung kleiner wird. Aus einem Angebotsmarkt kann so über Nacht wieder ein Nachfragemarkt werden.

Wie sehr Adobe sich über diese immerwährende Demütigung ärgert, zeigt dieser Artikel: Adobe Plays the Porn Card in its Flash Campaign Against iPad.

[Update] Die Diskussion – insbesondere bei Engadget – wurde noch durch den ersten Werbefilm für den iPad angefacht. Wiederum sah man die Seite nytimes.com. Darauf war deutlich die Bildergalerie zu erkennen, die auf der Site in Flash umgesetzt ist. Nach kurzer Zeit der Spekulation, ob bei Erscheinen des iPads im März vielleicht doch Flash verfügbar sein könnte, war dann recht deutlich, dass es sich hier um einen Fehler der Werbefilmer handeln musste.

Apples Antwort auf diese Spekulationen kam ebenso schnell, wie spektakulär: Der Spot wurde wenige Tage später in einer korrigierten Version veröffentlicht. Mit deutlich sichtbarem blauen Legobaustein für ein missing Plug-In. Abermals eine schallende Ohrfeige für Adobe.

Selbst in Promofilmen zeigt Apple inzwischen das Plug-In-Zeichen.

Und damit nicht genug: Steve Jobs rief noch in der letzten Woche ein Meeting für die Apple-Mitarbeiter ein. Auf diesem erklärt Jobs, dass Flash fehlerhaft sei und daher nicht auf das iPhone OS kommen wird. Er sieht vielmehr eine Zukunft für HTML5.

Johannes Schardt hat als alter Freund des Hauses Spreeblick das Thema in einem interessanten Artikel so behandelt: mit einem Wisch ist alles weg! [/Update]


Written by qrios

January 29th, 2010 at 9:10 pm

Posted in gadgets,netzpolitik

9 Responses to 'und täglich grüßt das murmeltier: flash auf dem ipad'

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  1. hast du die wütenden kommentare auf dem flash-blog gelesen? http://theflashblog.com/?p=1703

    für mich sind flasher eine aussterbende gattung und die verhalten sich auch nicht anders als irgendwelche amiga-fans, die immer noch ihre 64k demos basteln, die zwar alle toll finden, die aber eigentlich keiner braucht.

    in meinem freundeskreis sind inzwischen zwei leute auf objc umgestiegen, weil es permanent nachfragen nach iphone-apps gab und keiner mehr flash wollte.

    csvcvs

    29 Jan 10 at 9:39 pm

  2. Inzwischen hat der Blog-Betreiber, der betont nur ein normaler Adobe-Mitarbeiter zu sein, den Porno-Screenshot rausgenommen. Es sei ein Scherz gewesen der leider falsch verstanden worden sei, auch von Adobe.

    qrios

    31 Jan 10 at 4:31 pm

  3. Ich freue mich sehr, wenn das Apple ipad in Deutschland zu kaufen ist. Ich lese für mein Leben gern und seit einem Jahr habe ich die eBooks entdeckt und sogar einen Bolg über dieses Thema gebaut. Es kommen spannende Zeiten auf uns zu. Ich freue mich.

    Lesender

    30 Jan 10 at 6:19 am

  4. du bist auch nur ein stinknormaler apple fan boy!

    cui bono? das solltest du dir mal überlegen. apple lässt flash nicht zu, weil sie sonst weniger für ihre apps abzocken können. niemand würde mehr ein cent für irgendein programm im store bezahlen. es gibt im netz hunderte spiele und die werden millionenfach besucht.

    bin mal gespannt, wann das kartellamt aktiv wird!

    eff

    31 Jan 10 at 4:01 pm

  5. Der App-Store dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Geburtsstunde nach der Entscheidung, kein Flash einzusetzen, haben. Ursprünglich hatte Apple nur die Idee der Web-Apps auf dem Plan, die auch nach meiner Meinung die langfristig bessere Lösung ist.

    Hast Du schonmal Flash light auf einem Gerät, wie dem E71 ausprobiert. Ich habe keine Site mit einem erfolgreichen Flash-Game gefunden, das darauf lauffähig war. In vielen Fällen, weil das Spiel nicht mit einer Tastatur zu bedienen ist. In den meisten Fällen verweigerte allerdings schon der Versionsdetektor den Zugang. Im Firefox auf dem N900 ist Flash per default ausgeschaltet.

    Momentan hängt Adobe mit der Verfügbarkeit von Flash 10 für ARM-Prozessoren vier Monate hinterher. Und zwar hinter der eigenen Ankündigung.

    Aber Du hast vollkommen Recht. Letztendlich geht es um den Markt. Allerdings nicht darum, ob Leute Apss nicht mehr kaufen, weil sie Flash-Spiele benutzen könnten. Denn diese Spiele müssten erstmal überhaupt auf Multitouch angepasst werden. Denn wie bedient man ein Spiel, dass auf Mouse-move reagiert auf einem Gerät, dass diesen Event gar nicht kennt?

    Nein, es geht um Inhalte. Adobe hat inzwischen die notwendige Client- und Server-Anwendungen um Inhalte mit DRM zu vertreiben. In Zukunft werden sie mit Sicherheit auch eine Abrechnungsinfrastruktur aufbauen. Und an der Stelle sind sie direkte Konkurrenten von Apple. Adobe hat letztes Jahr ganz deutlich gemacht, dass sie in Zukunft als technischer Dienstleister für Publisher Geld verdienen möchten. Daher haben sie zum Beispiel auch Omniture gekauft.

    Gegen diese Strategie kann ich eigentlich nichts sagen. Ich würde mir wünschen, dass es auch anderen gelingt, eine funktionierende Infrastruktur für die Distribution von Bezahlinhalten aufzubauen. Aber ich bin vollkommen sauer auf Adobe, weil sie Macromedia gekauft haben, statt den beschrittenen Weg mit SVG weiterzugehen. Und ich würde mir wünschen, dass es endlich eine vernünftige IDE für SVG/Canvas/JS/HTML geben würde, die genauso funktioniert wie die Flash-IDE.

    qrios

    31 Jan 10 at 4:52 pm

  6. wie Leo in seinem letzten Bericht (http://www.fscklog.com/2010/01/jobs-sprach-vor-apple-belegschaft-über-google-adobe-und-flash.html) schreibt favorisiert Steve Jobs html5 – und damit wäre dann das leidige Thema Flash vom Tisch. Ich selbst finde flash-animationen zwar hübsch, doch was bringts, wenn viele das nicht Nutzen können.

    carsten

    1 Feb 10 at 9:09 am

  7. Eine Welt ohne Flash! Meinst Du, ich darf das noch einmal erleben? Ich hatte mich schon 1996 darüber aufgeregt: http://www.heise.de/ct/artikel/Mischobst-284614.html

    qrios

    1 Feb 10 at 5:03 pm

  8. […] auf Softwareseite auch nichts anfangen. Programme kann man nur über den App-Store installieren, Flash ist nach wie vor verfügbar, Musik und Filme müssen auf einem separaten PC/Mac in der iTunes-Bibliothek sein und Bücher kann […]

  9. […] dem Frontalangriff auf Flash durch die despektierlichen Ausführungen von Steve Jobs musste Adobe antworten. Denn wenn der innovativste Firmenchef den wesentlichen Baustein des eigenen […]

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