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IT ist kurios!

Der Tablet-Goldrausch der Publisher

4 Kommentare

Wenn edenspiekermann zu einer Diskussion mit dem Titel ‘iPad & Co. – Neue Tafeln, neue Inhalte?’ lädt darf man gespannt sein. Allein die Auswahl der Gäste versprach höchstes Niveau. Neben Erik Spiekermann als Gastgeber und Jürgen Siebert als charmanter Moderator diskutierten Christoph Lüscher von Information Architects (iA), Mirko Borsche und Christoph Keese aus der Geschäftsführung von Axel Springer.

Insbesondere letzterer gestattete dem Auditorium interessante Einblicke in Absatzzahlen, Preisbindungfindung und HTML-Abneigung der deutschen Verlagslandschaft. Wenn er verkündet, die Welt-App sei auf zwei von drei iPads installiert, dann spürt man deutlich den Stolz. Nicht nur den Berlinern Verlegern merkt man an, dass sie das iPad nach wie vor als goldenes Flies begreifen.

Nicht verwunderlich – wenn auch nicht Kern-Thema des Abends – war die immer wiederkehrende Frage, wie die bezahlte Distribution in Zukunft erfolgen kann. @Gernot merkte zu Recht an, dass der Vertrieb von Zeitungsapps über den App Store eigentlich einen Missbrauch darstelle. Christoph Keese wich dem Vorwurf aus, doch er erzählte, dass es weltweit momentan mehr als 60 verschiedene Firmen gäbe, die alternative Stores (wohl hauptsächlich Content) entwickeln würden, die mit erheblich günstigeren Konditionen Partner werben würden. Mit zukünftigen Micro-Payment-Systemen etwa von paypal zeichne sich das Ende von Apples Quasimonopols im Bereich der Content-Distribution ab.

Wirklich spannend war für mich allerdings die Tatsache, dass die Vertreter des Designs auf dem Podium unumwunden zugaben, dass sie nicht wüssten, wie die perfekte Zeitschrift oder Zeitung auf einem Tablet aussehen und vor allem, wie sie zu bedienen sein müsse. Mirko Borsche meinte, in einigen Jahren hätten sich wenige Formen herauskristallisiert. Ob man in einem Artikel scrollen oder wischen muss wird sich zeigen. Christoph Lüscher von iA – die sich selbst als Anwälte der Nutzer verstehen – vertraut in dieser Frage auf die Nutzer selbst, die dies entscheiden werden. Was natürlich die Designer nicht davon entbindet, sich zunächst Gedanken darüber zu machen.

Als jemand, der selbst mal ein CMS entwickelt hat war ich nicht wenig überrascht, von der HTML-Abneigung Keeses. PDF würde viel mehr Möglichkeiten der Gestaltung gewähren. Was insbesondere vor dem Hintergrund quasi standardisierter Browser-Engines auf den aktuell verfügbaren Tablets schlicht falsch ist. Und wenn die Web-Seiten von AS, Times und anderen heute so aussehen, wie sie aussehen, liegt dies nach meiner Meinung mehr an Vermarktung und nicht an limitierten Gestaltungsmöglichkeiten.

Abseits vom spannenden Thema war der Nachmittag für mich absolut überraschend: unabhängig voneinander traten zwei frühere Kunden auf mich zu und schwärmten von dem damals von uns entwickelten Web-Analytics-Tool und meinten, dass sie bis heute nichts vergleichbares gesehen hätten …


Written by qrios

October 31st, 2010 at 1:47 pm

Posted in gadgets,netzpolitik,web

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4 Responses to 'Der Tablet-Goldrausch der Publisher'

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  1. Hallo Rene, ich fand ja sehr interessant, dass so viel über Bezahlapps gesprochen wurde aber in jedem dritten Satz das Hohelied auf Instapaper gesungen wurde. Nur Christoph Lüscher hat in einem Nebensatz darauf hingewiesen, dass das ja eigentlich nicht korrekt sei.

    ff.

    ff.

    1 Nov 10 at 9:15 pm

  2. […] read more Kategorien:Uncategorized Kommentare (0) Trackbacks (0) Einen Kommentar hinterlassen Trackback […]

  3. Hallo Frank,

    stimmt, das hatte ich ganz erwähnt zu vergessen. Ich hatte es mir erst einen Tag vorher installiert und alle möglichen Seiten von iA und anderen zum Thema iPad-Magazin-Design runtergeladen.

    qrios

    3 Nov 10 at 6:19 pm

  4. […] read more Kategorien:Uncategorized Kommentare (0) Trackbacks (0) Einen Kommentar hinterlassen Trackback […]

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