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Apples Pläne mit dem Ex-Adobe-CTO Kevin Lynch

2 Kommentare

Der Schock war groß bei den Apple-Kennern. Der Adobe-Manager, der am lautesten Apples Politik in Sachen Flash kritisiert und für falsch erklärt hat soll in Zukunft die technische Zukunft Apples mitbestimmen? Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Vielleicht noch ein strategischer Zug, um Flash den endgültigen Todesstoß zu geben. Als ob es das noch bräuchte!

Worauf deutet die Personalie wirklich hin?

Apple hat wie immer wenig bis gar nichts zu den Motiven gesagt. Schaut man sich die bekannten Fakten an, ergeben sich jedoch neue Perspektiven.

Kevin Lynch (hier seine Vita) ist ein eingefleischter Mac-Fan. In seiner Vita finden sich etliche Berührungspunkte mit Apples Geschichte. So war er unter anderem an der Entwicklung und Portierung von FrameMaker für den Mac beteiligt. Bei Macromedia hatte er mit Phil Schiller zusammengearbeitet. Als Adobe-CTO war er maßgeblich verantwortlich für die Migration des Businessmodells von der Lizenz zur Cloud. Gerade die Cloud-Dienste sind bei Apple eine schwelende Wunde.

Die Hauptaufgabe von Lynch bestand jedoch darin, die Virtuelle Maschine namens Flash auf alle möglichen Geräte, CPUs und Betriebssysteme zu bringen. Adobe versprach sich von einer möglichst flächendeckenden Verbreitung sprudelnde Einnahmequellen in der Zukunft zum Beispiel von Lizenzgebühren aus dem Rechtemanagement von Filmen im Netz. Laut eigener Aussage hätte er allerdings gerne schon früher Flash durch HTML ersetzt, meinte jedoch, dass dies nicht gelänge.

Kevin Lynch wird zukünftig direkt an Bob Mansfield reporten. Dieser ist Chef einer nicht näher spezifizierten Abteilung für zukünftige Technologien. Und Bob Mansfield ist Apples Mann für die Hardware.

Könnte Apple eine JavaScript-VM-CPU planen?

Als SoC liesse sich ein JavaScript-Core platz- und energiesparend umsetzen.
/cc by @in_aha

Apple hat in den letzten Jahren mehrere CPU-Schmieden eingekauft. Inzwischen entwickeln sie ihre eigenen ARM-Layouts als SoC für iPhone und iPad. Laut etlicher Quellen gibt es schon länger Referenzdesigns für ein MacBook Air mit einem ARM-Prozessor.

Dieses Know How über Prozessor-Design und Produktion zusammen mit dem Wissen von Lynch über Virtuelle Maschinen für Flash würde es Apple ermöglichen einen neuen Co-Prozessor zu entwickeln: eine JavaScript-CPU.

Der Computer eines Normalanwenders verbringt heute einen großen Teil seiner Zeit mit dem Verarbeiten von JavaScript. Zukünftig wird dieser Anteil noch höher werden. Dies allein schon dadurch, dass eher mehr als weniger verschiedene Plattformen bei Smartphones, Tablets, Fernsehern und Computern zu erwarten sind.

Die Versuche, JavaScript zu beschleunigen sind mit der aktuellen Entwicklung von asm.js jetzt an ihr natürliches Ende gelangt. Das gilt allerdings nur, wenn man sich die Möglichkeiten von Software ansieht. Der nächste logische Schritt ist eine Hardwareunterstützung der VM.

JavaScript ist auf Grund seiner extrem einfachen Struktur hervorragend geeignet, in Hardware gegossen zu werden. Wenige Typen, eine simple Statemaschine, Single Threads und Sandboxing sind ideale Voraussetzungen für einen kleinen Core mit Anbindung an den Haupt- und Grafikspeicher.

Sprachspezifische CPUs gab und gibt es immer wieder. Nicht zuletzt lässt sich ein solches Projekt sogar mit herkömmlicher FPGA-Technik umsetzen. Für Java gab es beispielsweise Ansätze von Sun selbst oder die Open-Source-Variante JOP, ein optimiertes Java auf einem FPGA-Chip.

Chancen am Markt

Für Apple hätte ein solcher Schritt viel Charme. Auf drei wichtigen Geräteklassen (iPhone, iPad und ARM-MacBook) würde JavaScript ohne Anpassung durch die Entwickler plötzlich Dimensionen schneller laufen. Und zwar auch erheblich schneller als auf vergleichbaren Geräten der Android und Chromebook-Konkurrenz. App-Entwickler würden noch häufiger lieber zu Webkit und JavaScript greifen als zu nativer Programmierung.

Viel wichtiger als die Performance wäre jedoch der Gewinn bei der Batterielaufzeit der Geräte. Zwei Tage bei einem iPhone und 12h bei einem MacBook wären durchaus im Rahmen des Möglichen.

Damit hätte Apple zwei Verkaufsargumente, die in einem engen Markt wichtig sind. Zumal die Konkurrenz Jahre bräuchte, um auf den gleichen Stand zu kommen, wenn sie es denn – ob restriktiver Patentauslegung – überhaupt könnte.


Written by qrios

March 31st, 2013 at 8:20 pm

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2 Responses to 'Apples Pläne mit dem Ex-Adobe-CTO Kevin Lynch'

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  1. Die Crew von Mobilemacs meinte in dem letzten Podcast, dass diese Idee eine erhebliche Sicherheitslücke aufreissen würde. Immerhin könnte ein solcher Prozessor ja direkt im Speicher schreiben. Das Gefährdungspotential dürfte ähnlich hoch sein, wie bei DMA.

    Thomas Lange

    26 Apr 13 at 4:14 pm

  2. […] mit dem iPhone 5S Apple einen neuen A-Chip einführen wird und dann damit zu rechnen ist, dass der bisher verwendete Prozessor dann in die neue Generation des AppleTV wandern könnte. Ausserdem würde die Einführung der […]

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