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IT ist kurios!

Firefox, der Mielke unter den Browsern: Ich liebe Euch doch alle!

2 Kommentare

Man kann von Do-Not-Track halten was man mag. Aber das vorläufig letzte Argument von Mozilla dagegen, erinnert sehr stark an Erich Mielkes

Ich liebe Euch doch alle

Denn das Argument lautet: der User darf nicht mit Fragen belastet werden, die ihn überfordern und da es gängige Praxis ist, den Nutzer zu tracken ist die Default-Einstellung für Do-Not-Track=off.

Man kann nur hoffen, dass sich die entscheidenden Leute bei der Mozilla-Foundation damit endgültig disqualifiziert haben. Denn sie sagen nicht mehr und nicht weniger als dass ihre Nutzer dumm sind und lieber ungestört surfen möchten als von nervigen Abfragen gestört zu werden.

Dabei ist Firefox erstens genau der Browser, der permanent durch störende, vollkommen belanglose Dialoge auffällt, die man eben nicht verhindern kann und zweitens ist es genau der Browser, der dafür bekannt ist, dass er wichtige Einstellungen an vollkommen abstrusen Orten versteckt.

Welche Probleme die Mozilla Foundation mit dem Thema Privacy hat wird schnell deutlich, wenn man sich den Mozilla Privacy Blog ansieht. Von den letzten zehn Artikeln seit Ende letzten Jahres handeln acht direkt von DNT. Viele sogar davon, dass die ursprünglich von Mozilla selbst kommende Idee eine immer breitere Anhängerschaft finden. Und trotz unauffindlicher Einstellung haben 7% der Nutzer die Option eingeschaltet. Tatsächlich dürften ja gerade die verfügbaren Privacy-Erweiterungen für den Browser ein wesentliches Argument für dessen Beliebtheit sein.

Um so mehr verwundert es, dass der IE 10 den Firefox jetzt rechts überholen kann. Denn Microsoft hat heute bekannt gegeben, dass der Browser zukünftig die Option per default gesetzt hat.

Und Mozilla? Der Vorreiter für Privatsphäre redet sich mit Usability raus. Denn – man halte sich fest:

ultimately it’s not the browser being tracked, it’s the user

Dem hätte doch immerhin selbst Microsoft in der W3C Tracking Protection Group zugestimmt. Eine Vorwegnahme der Wünsche durch eine Default-Einstellung würde der Idee widersprechen, dass nicht dem “not the preference of some institutional or network-imposed mechanism” Ausdruck verliehen würde. Man müsste quasi von einem Eingriff in die Netzneutralität sprechen.

Damit wären wir genau wieder bei dem mutmaßlichen Interesse eines durchschnittlich informierten Nutzers, den der D64 in seiner Charta aus dem Hut zaubert. Was meinen die alle? Den DAU?

Ein für alle Mal:

DER DURCHSCHNITTLICH INFORMIERTE BENUTZER HAT KEINEN BLASSEN SCHIMMER, WELCHE DATEN ÜBER SEIN VERHALTEN VON WEM GESAMMELT WERDEN. UND WENN MAN ES IHM SAGT, FRAGT ER SOFORT, WO DER BUTTON IST, DAS ZU VERHINDERN!!11EINSELF 

ps: Google (die Firma mit dem einzigen verbreiteten Browser gänzlich ohne Do-Not-Track-Option) steuert übrigens 85% der Einnahmen der Mozilla-Foundation bei.


Written by qrios

June 1st, 2012 at 11:08 pm

2 Responses to 'Firefox, der Mielke unter den Browsern: Ich liebe Euch doch alle!'

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  1. Im letzten Satz führst du ja den Grund auf, warum das wohl so ist.
    Schade ist, dass Mozilla diese Richtung einschlägt. Da der Firefox so quälend langsam ist und eine völlig unbrauchbare Oberfläche hat (nicht nur der Einstellungsdialog), benutze ich scoh seit längerer Zeit Opera. Das ist zwar proprietär, aber schnell, konfigurierbar und Privacy-verträglich.

    Chris

    2 Jun 12 at 1:31 pm

  2. […] von Microsoft seinen Internet Explorer 10 mit gesetztem Do-Not-Track-Schalter auszuliefern hatte Firefox ja schon erhebliche Erklärungsprobleme. Für die meisten Nutzer ist nicht einsehbar, warum der einzige freie Browser sich dem Diktat von […]

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