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Do-Not-Track-Hick-Hack um IE10

5 Kommentare

Nach der Ankündigung von Microsoft seinen Internet Explorer 10 mit gesetztem Do-Not-Track-Schalter auszuliefern hatte Firefox ja schon erhebliche Erklärungsprobleme. Für die meisten Nutzer ist nicht einsehbar, warum der einzige freie Browser sich dem Diktat von Werbefirmen beugt. Bei den Summen, die von Google an die Mozilla-Foundation fliessen ist das allerdings nicht verwunderlich.

Inzwischen wird von den interessierten Kreisen massiver Druck auf Microsoft ausgeübt. Die zuletzt geladene und scharf gemachte Waffe sieht so aus:

Niemand muss sich an die DNT-Information eines IE10 halten, da sich dieser Browser nicht standardkonform verhält.

Derzeit gibt es zwar noch keinen verabschiedeten Standard sondern nur einen gemeinsam verabschiedeten Vorschlag. Dieser sieht jedoch vor, dass der Nutzer seinem expliziten Willen Ausdruck verliehen haben muss, wenn der Browser DNT=1 sendet also jedem Server mitteilt, dass er nicht getrackt werden will.

Es wird also implizit davon ausgegangen, dass User prinzipiell getrackt werden möchten und nur wenige (weniger als die Hälfte) sich dagegen entscheiden. Es handelt sich also um ein OptOut.

Dieses Vorgehen wurde gestern bei einer Telefonkonferenz nochmal abgestimmt. Das Ergebnis kann man sich hier ansehen. Offensichtlich wurde Browserherstellern, die von der Linie abweichen während des Termins sogar mit einer Untersuchung durch die FTC gedroht.

Nach meiner Meinung haben sich die an dem Gremium beteiligten Datenschutzorganisationen (darunter der eff) über den Tisch ziehen lassen (“extraordinarily painful cuts for privacy-leaning stakeholders”). Ich bin gespannt, wie sich z.B. die Electronic Frontier Foundation zu dem aktuellen Stand äussern (noch ist dazu nichts auf dem Blog). Denn es dürfte doch jedem klar sein, dass die Werbebranche von dem maximal dummen Nutzer ausgeht der zu blöd ist, die Einstellungen zu öffnen und das Häkchen zu setzen.


Written by qrios

June 7th, 2012 at 2:04 pm

5 Responses to 'Do-Not-Track-Hick-Hack um IE10'

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  1. Ist es das was alle mit Kostenloskultur meinen? Halb Deutschland sitzt den halben Tag vor dem Web und konsumiert Inhalte, die von Journalisten, Verlagen, Bloggern und Usern dort veröffentlicht werden. Das alles wird zu einem großen Teil von Werbung finanziert. Und diese Werbung basiert auf Techniken, die unter Tracking fallen. Andernfalls würde Mammi Penixverlängerung sehen und Papi müsste o.b.-Banner wegklicken.

    Hallo! Jemand zu Hause?

    Thomas

    7 Jun 12 at 2:16 pm

  2. @Thomas: Was für ein merkwürdiges Argument! Deine Mutter bekommt schon jetzt Penisverlängerungswerbung. Sie kauft nämlich mit einiger Wahrscheinlichkeit den Berliner Kurier oder die Hamburger Morgenpost.

    Nur weil etwas technisch möglich ist, muss man es nicht hinnehmen. Die Werbebranche würde garantiert den gleichen Umsatz machen, wenn statt Usertargeting das übliche Werbeumfeldtargeting betrieben würde. Auch damit kann man Zielgruppen hervorragend auswählen. Ich habe zwar schon von Fällen in denen Targeting wirklich funktioniert gehört. Seltsamerweise habe ich nur mit Kunden zu tun, für die das vollkommen nutzlos ist.

    qrios

    7 Jun 12 at 2:50 pm

  3. Danke für den Artikel! Sehe ich ähnlich.

    @Thomas: Wenn sich diese Journalisten, Verlage und Blogger kein glaubwürdiges, zukunftsfähiges Finanzierungskonzept ausdenken, sind sie selbst schuld. Kein Websitenbetreiber hat das Recht, meine Daten via Werbung oder Tracking weiter zu geben. Es wird Zeit, dass die „Ad bubble“ platzt.

    Chris

    7 Jun 12 at 3:24 pm

  4. […] halten würde. Denn dann müsste das Einschalten von DNT eine aktive Aktion erfordern (eine Diskussion, die schon seit Monaten brodelt). Mindestens jedoch bei der Expressinstallation würde der Wert für DNT auf 1 gesetzt ohne den […]

  5. […] Do-Not-Track oder einem Tracking-Opt-Out bei den großen Werbenetzwerken hat die Einstellung entgegen anderen […]

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