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Nokia, Microsoft und die seltsamen Vorstellungen der Anleger

2 Kommentare

Nach 2 1/2 Jahren war es dann heute endlich soweit. Microsoft kauft für 40% des Marktwertes den Kern von Nokias Geschäft. Die Mobilgerätesparte soll komplett an Microsoft übergehen und ausserdem erhält MS Zugriff auf die Patente von Nokia. Diese sollen allerdings offensichtlich nur geliehen sein. Bei den Geräten geht es nicht nur um die Lumia-Reihe sondern auch um die euphemistisch “Featurephones” genannten Asher-Geräte.

Von dieser Nachricht sind die Anleger offensichtlich so begeistert, dass sie den Nokia-Kurs vorbörslich gleich mal um 42% in die Höhe schnellen lassen. Das ist aus verschiedenen Gründen erstaunlich. Erstens: wurde Nokia grade entkernt. D.h. der Wert der Marke Nokia war vor allem im Massenmarkt vertreten. Diesen Massenmarkt gibt es jetzt nicht mehr. Und zweitens: der Kursgewinn macht insgesamt wesentlich mehr aus, als die Kaufsumme. D.h. die Anleger hatten offensichtlich noch mindestens 2Mrd.$ zukünftigen Verlust für die Gerätesparte eingepreist. Diese vermuteten sie entweder bis zum Erreichen der ersten schwarzen Null oder bis zum Einstampfen dieses Geschäftszweiges.

Nokia besteht jetzt im Wesentlichen aus zwei Bereichen, die inhaltlich und geschäftlich nichts miteinander zu tun haben: here und NSN. Here sieht sich als globaler Player im Markt der Maps und Location Based Services. Den Beweis dafür muss es jetzt relativ schnell erbringen. Dabei ist vollkommen unklar, wie ein solcher Beweis aussehen könnte. Als einzige mobile Plattform bleibt auch in Zukunft Windows Phone, Weder Android noch iOS benötigen eine konkurrierende (und noch schlechtere) Map-Anwendung.

Das grade wieder komplett übernommene Nokia Siemens Network Nokia Solutions and Networks hat es in den bestehenden sechs Jahren nicht geschafft, profitabel zu arbeiten. Zu groß ist inzwischen die Konkurrenz aus China mit Huawei. Darunter leidet ebenfalls seit mehreren Jahren Ericsson.

Aber vielleicht flüchten ja viele Anleger einfach nur von Microsoft zu Nokia. Denn MSFT hat im vorbörslichen Handel bis jetzt rund 13 Mrd.$ verloren. Und das ist die Summe aus dem Kaufpreis und dem Kursanstieg von Nokia. Offensichtlich hat sich Microsoft da ein faules Ei gelegt und Steve Ballmer zum wiederholten Male eine grandiose Fehleinschätzung abgeliefert.

Der Rücktritt von Elop vom Vorstandsvorsitzenden wird begründet mit der Aussage, dass so eine saubere Übernahme gewährleistet werden soll. Das ist insofern erstaunlich als dass ja jemand der einen Deal einfädelt auch in der Lage und unvoreingenommen genug sein sollte, einen solchen Deal auch zu finishen. Aber offensichtlich wurde dabei schon ein späterer Schritt berücksichtigt, der der Öffentlichkeit bisher noch vorenthalten werden soll: Elop kommt auf eine hohe, wenn nicht auf die höchste Position bei Microsoft. Wenn sich dabei mal nicht mindestens Elop selbst (mal wieder) verrechnet hat.


Written by qrios

September 3rd, 2013 at 1:59 pm

Posted in gadgets

2 Responses to 'Nokia, Microsoft und die seltsamen Vorstellungen der Anleger'

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  1. Die Nokianer die ich in Bln kenne sind alle offensichtlich sehr froh, daß sie zukünftig wenig bis gar nichts mit M$ zu tun haben. Auch wenn sie noch keine Ahnung haben, wohin es für den Maps-Bereich gehen wird.

    gnn

    4 Sep 13 at 11:35 am

  2. Der Nokia-Kurs nach einem Monat inzwischen stabil bei plus 2/3 seines Wertes vor der Verkaufsankündigung. Das deutet auf jeden Fall nicht auf kurzfristige Spekulationen sondern aus langfristige Invests. Es bleibt aber die Frage, wie ein Unternehmen nach Verkauf des Kerngeschäfts für einen relativ kleinen Betrag mehr wert sein kann als zuvor. Es kommt ja noch hinzu, dass der Rest erstmal entflechtet werden muss, bevor klar ist, welchen Umsatz die beiden Sparten überhaupt machen können.

    Heller

    2 Oct 13 at 12:13 pm

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