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IT ist kurios!

iphone ist tot, es lebe android

2 Kommentare

Vor einer Woche hatte ich mehrere Stunden die Gelegenheit mit einem HTC Magic rumzuspielen. Gestern habe ich mir bei einem großen Händler noch mal einige Zeit genommen und nun steht mein Entschluss fest: ich wechsle vom iPhone zu HTC. Eigentlich wechsle ich jedoch eher von Apple zu Google.

Mein erster Eindruck vom G1 war damals gelinde gesagt: erschrocken. Die Hardware war das schlechteste was ich in den letzten Jahren in der Hand hatte. Nur irgendein Blackberry, den mir Vodafone mal (Mitte 2005) mit leuchtenden Augen andrehen wollte war noch schlimmer. Das G1 war nach meiner Meinung nicht mehr und nicht weniger als ein Prototyp, der niemals das Labor hätte verlassen dürfen.

Mit Android 1.6 und der hervorragenden Hardware des HTC Magic gibt es jetzt endlich einen würdigen Anwärter auf die offene Position des iPhone-Killers. Und dies obwohl die Featureliste sich in wenig bis nichts von der des iPhone 3GS unterscheidet.

Die Liste der technischen Ausstattung birgt keinerlei Überraschung: Quadband, WLAN b/g, 3MPixel Cam, GPS, Bewegungssensor. Nicht neues, nichts aussergewöhnliches. Im Vergleich zum iPhone fehlt dem Magic momentan noch Multitouch. Zoom von Web-Seiten, Bildern oder Karten findet also mittels Lupen statt. Who cares? Der Strassenpreis mit 300 Euro ist akzeptabel und deutet lediglich an, dass in dem Preissegment von Apple kein Platz für andere ist.

Was also sollte mich als bekennenden Fan vom und Developer für das iPhone dazu bringen, die Plattform zu wechseln? Ganz einfach: Apple. Ich habe die Schnauze gestrichen voll von der analfixierten Art und Weise, wie Apple alle und jeden bevormundet.

Von Apples Gnaden: Der User

An erster Stelle in der Liste, der durch Apple Gegängelten stehen die Käufer der Produkte selbst. Sync nur mit iTunes. Aber bitte nicht irgendein iTunes, sondern immer die letzte Version. Damit die Nutzer auch ja in den Genuss der großartigen Neuerungen wie HTML-aufgehübschte Alben kommen oder sich mit Hilfe von Genius zu noch mehr Käufen hinreissen lassen. Ich bin sicher kein Verfechter von Acht.Drei-Verwaltung von Musik, aber manchmal wäre es sinnvoll, beliebige Daten einfach hin- und herzuschieben.

Zur Bindung der Geräte an einzelne Netzbetreiber fällt mir eigentlich nichts mehr ein. Nur soviel: Es bestand ursprünglich die Hoffnung, dass das iPhone das Oligopol der Mobilfunkanbieter durchbrechen würde. Immerhin war von vornherein klar, dass Apple ein Branding durch die Provider niemals akzeptieren würde. Und dieses Branding war für lange Jahre eins der größten Übel des Marktes. Immerhin hat sich Vodafone damit die Marke nachhaltig verbrannt. Inzwischen ist jedoch klar, dass das Branding nur ein Randphänomen ist. Das Hauptproblem ist und bleibt die Vertragsbindung mit all den seltsamen Effekten, wie sich automatisch verlängernde Verträge, Hürden beim Wechsel von Bestands in neue (bessere) Verträge und natürlich vollkommen intransparente Bedingungen. Von Roamingkosten ganz zu schweigen.

Apple hat mit der Politik der Providerbindung diese Marktumstände massiv gestärkt und am Leben erhalten. Alleine dafür gehört Apple schon gevierteilt.

Von Apples Gnaden: Der Entwickler

Als nächstes werden die Entwickler gegängelt. Kleine, fiese Appstore-Zwerge blockieren den Zugang zu potentiellen Nutzern durch intransparent Ablehnungen. Ein großer Teil der abschlägigen Bescheide wird dabei mit doppelter Funktion oder Verwirrung der Nutzer begründet. Zumindest der erstere Punkt ist an sich schon ein Fall für das Kartellamt. Denn hier wird von Apple ganz offen gesagt, ‘wir wollen keine Konkurrenz auf unserem eigenen Gerät haben’. Aber selbst der zweite Punkt ist mindestens seltsam, denn wenn man eines Software von Apple generell nicht unterstellen kann ist es, dass sie eine konsistente Benutzung hätten.

Eine weitere Gängelung der Entwickler besteht in der eingeschränkten Verfügbarkeit von Frameworks. Egal ob es sich um Zugriff auf die Google-Karten, die Videokamera oder XSLT handelt. Man kann als Entwickler eigentlich immer davon ausgehen, dass es irgendeine Bibliothek, die man gerne hätte nicht oder nur eingeschränkt gibt. Bestimmt geht es in der nächsten oder übernächsten OS-Version. Aber eben gerade nicht. Nicht, dass die Funktionen vom Gerät nicht unterstützt würden. Es ist nur so, dass die externen Entwickler nicht rankommen.

Unter diesen Bedingungen versteht es sich von selbst, dass der Entwickler nur die hauseigene Sprache verwenden darf. Man möge mich nicht falsch verstehen, ich benutze Objective-C seit Jahrzehnten und finde es eine ausgezeichnete Sprache, die mir wesentlich mehr liegt als C++ oder Java. Aber ich würde für viele (insbesondere kleinere) Projekte inzwischen lieber gerne Ruby oder XSLT verwenden.

Von Apples Gnaden: Der Provider

Selbst die Telcos werden gegängelt. Das mag paradox klingen, da ich ja oben deutlich ausgeführt habe, dass ich die Provider nicht für eine schützenswerte Gattung halte. Aber die harten Rahmenbedingungen der Verträge mit Apple verhindern innovative Pakete. Wenn Vodafone in Deutschland das iPhone für Bestandskunden aus anderen europäischen Ländern einführt um T-Mobile etwas von dem Hyperkuchen abzunehmen dann riskiert es in anderen Ländern Liebesentzug durch Apple. Letztendlich ist Apple dadurch mit Schuld, wenn sich dieser Markt nicht weiterentwickelt. Das Verbot von VoIP oder die katastrophale Situation in Bezug auf das Tethering durch die großen Telcos ist indirekt ein Effekt aus der Bündelung des iPhones an wenige Carrier.

Wenn Apple also jeden und alles kontrollieren möchte und sich nur auf massiven Druck zu kleinen Schritten in Richtung fairer Wettbewerb drängen lässt, dann müssen sie dies ohne mein Geld und meine Begeisterung tun. Ich wende mich jetzt mal dem Adroid SDK zu und werde meine Programme einfach an Kollegen und Freunde per Mail versenden, und sie hier zum Download bereitstellen.

Viel Spass noch und danke für den ><<<<°>!


Written by qrios

September 29th, 2009 at 4:41 pm

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2 Responses to 'iphone ist tot, es lebe android'

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  1. Ohh, da zittert Apple ja jetzt aber mächtig! Der große qrios wird sich kein neues iPhone mehr kaufen.

    Was glauben die Leute , die sich im Netz mit der Aussage “ich werde austreten, nicht mehr wählen, nicht mehr kaufen, nicht mehr überhaupt!!11” verlauten lassen, zu erreichen? Ihr seid alle so unwichtig!

    spinn.doc

    30 Sep 09 at 12:09 pm

  2. @spinn.doc:

    Was willst du damit eigentlich sagen? Was hat das mit “nicht mehr Wählen” zu tun? Er hat doch gewählt. Nur weil dir die Partei nicht passt, brauchst du jetzt nicht pampig zu werden!

    xion

    7 Oct 09 at 1:34 pm

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