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Google nimmt den Fehdehandschuh auf

13 Kommentare

Nachdem Apple recht offensichtlich (und dumm) Google angreift (siehe Voice-App und weiteres) nimmt Google jetzt den Fehdehandschuh auf. Mit der Ankündigung in naher Zeit den H.264-Support aus Chrome zu entfernen stellt sich Google erstmals offen gegen Apple.

Mit einem Browser-Marktanteil von rund 10% (12+% in den Staaten) hat Chrome eine Verbreitung erreicht, die für Site-Betreiber relevant ist. Wenn dieser Browser in Zukunft die derzeit einzige Alternative zu Flash-Videos nicht mehr unterstützt müssen sich Sitebetreiber eine Alternative überlegen. Die Lösung wird für die meisten sicher nicht darin bestehen, alle Videos zusätzlich als WebM-Video anzubieten. Wer diesen Aufwand scheut wird wieder bei Flash landen. Die Massage von Google richtet sich also an die ZDFs und BBCs der Welt und lautet: “Hört auf, eure Flash-Player durch HTML5-Player zu ersetzen.”

Es gibt inzwischen vernünftige Browserweichen, die den iOS-Usern den Video-Tag mit H.264 geben und anderen den Flash-Player einspielen. In Zukunft werden diese Weichen eine weitere Regel abfragen: if(USERAGENT.indexOf(‘Chrome’) != -1) ladeFlashPlayer();

Eine schlechte Nachricht für das Netz, für Chrome-User und für Android-User. Und ein neues Zeichen (nach der Ankündigung eines Tablet-only Android 3), dass Google keine langfristige Strategie hat.

[Update] Google fühlt sich offensichtlich nach der massiven Kritik (u.a. daring fireball und zdnet) genötigt, sich näher zu erklären. Ausserdem kündigen sie (in einem Update der Erklärung) an, für Safari und Explorer WebM-Plugins anzubieten. Mit Hilfe von ‘canPlayType’ (JS-Funktion, die z.B. bei der Frage canPlayType(‘[mime-type];[codec=”codec-string”]’) z.B. den Wert ‘maybe’ oder ‘probably’ zurückgibt) sollen dann auch diese Browser WebM abspielen können. Allerdings ist dies nach meiner Meinung keine optimale Lösung, da die meisten Browserweichen wahrscheinlich eher nach Browser/OS entscheiden werden, welche Video-Player-Lösung ausgeliefert wird. Ausserdem würde mich sehr wundern, wenn über die Plugin-Schnittstelle dieser Part des Browsers ohne weiteres angesprochen werden kann.

Irgendwie scheint sich meine Vermutung, Google hätte keine langfristige Strategie, zu bestätigen. Offensichtlich haben sie nicht mit so einem Sturm der Entrüstung gerechnet und versuchen jetzt die Wogen zu glätten. [/Update]

[Update2] Unter dem Titel “The Ambiguity of ‘Open’ and VP8 vs. H.264” ist ein ausgezeichneter Artikel über die Plug-In-Frage erschienen. Besonders interessant sind die Ausführungen über die Erweiterungsmöglichkeiten von Firefox, Chrome und Opera vs. Safari und IE9. Erstere spielen Videos über eigene Decoder ab, letztere handeln den video-Tag über die OS-eigenen und vor allem erweiterbare Decoder ab. [/Update2]


Written by qrios

January 15th, 2011 at 4:18 am

Posted in code,netzpolitik,web

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13 Responses to 'Google nimmt den Fehdehandschuh auf'

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  1. Fefe ist der Meinung, dass das eine gute Entscheidung ist, weil plötzlich 90% der Browser WebM unterstützen (wg. Adobe+Flash+WebM) werden.

    Wie ist denn eigentlich die Qualität von WebM?

    ff

    12 Jan 11 at 1:46 pm

  2. Das ist jetzt aber etwas zu Apple-Fanboy-typisch kurz gedacht oder?

    Die Unterstützung für den HTML5 video-Tag mit freien Codecs liegt bei knapp 50%, mit pantentverminten Codecs bei unter 25%.

    Alleine Firefox hat eine 5-mal größere Verbreitung als Safari.
    Sobald die nächste Smartphone-Generation mit VP8-Unterstützung draußen ist, werden für iDevice-Jünger harte Zeiten anbrechen.

    Denn mit einem einzigen Format (WebM) und dem Flashplayer als Fallback kann Google (YouTube) dann nahezu alle Browser bedienen. Die H.264-Unterstützung von YouTube ist damit schon angezählt und wird in den nächsten Jahren wohl eingestellt werden.

    Da werden einige iPhone/iPad-Jünger dann wohl lange Gesichter machen und Apple wird sich überlegen müssen, ob sie statt proprietärer Formate tatsächlich auch offenen Formate unterstützen.

    Steve

    12 Jan 11 at 4:54 pm

  3. @ff: Die “reale” Qualität scheint etwas besser zu sein als das, was zur Zeit als H.264 ausgeliefert werden kann (Baseline Profile), da Dank Apples Produktpolitik einige Apple-Geräte nicht mehr können.

    Steve

    12 Jan 11 at 4:56 pm

  4. Wie kommst du auf 90%? Flash unterstützt kein WebM sondern nur wie viele andere auch VP8. Damit ist H264 mit weit über 90% auf dem Markt vertreten in Form von: Flash, Chrome, Safari(mobil/Desktop), IE 9 beta und über diverse Plugins für den Rest der Welt und auf vielen Endgeräten. WebM befindet sich derzeit in Chrome und Opera und Firefox 4 betas.

    gg

    13 Jan 11 at 10:46 am

  5. Flash unterstützt akt. nicht mal VP8 und MS hat den Support für IE 9 Beta auch heut rausgenommen.

    gg

    13 Jan 11 at 2:40 pm

  6. @Steve: Die Rechnung eines Sitebetreibers läuft doch in etwa so: mit H.264 erreiche ich entweder direkt oder indirekt (Flash unter Chrome/Mozilla) 100% der User, mit VP8/WebM erreiche ich direkt oder indirekt (Flash unter Safari) aber nur 100-x% (iOS). Da dürfte klar sein, was passiert zumal viele Filme inzwischen in H.264 vorliegen und maximal noch umgepackt werden müssen.

    Wie die Situation in 5 oder 10 Jahren aussieht ist natürlich vollkommen unklar. Aber massiv ändern kann sich erst dann etwas, wenn die professionellen Videotools und die Hardware selbst eine vernünftige Unterstützung bieten. Auch wenn das auf Hardware-Seite per FPGA nicht so schwer sein dürfte, dauert es locker zwei Jahre bis die aktuelle Gerätegeneration zu wesentlichen Teilen ersetzt ist und momentan gibt es nicht mehr als die Ankündigung, dass es Geräte geben wird.

    qrios

    13 Jan 11 at 3:33 pm

  7. Bezüglich canPlayType() und Plug-In: Es dürfte recht einfach zu machen sein. Im Prinzip schaut JS zuerst mal bei den unterstützten Mime-Types nach. Also liefert die Frage canPlayType(‘video/mp4’) wenn video/mp4 in dieser Liste steht ‘maybe’. Erst wenn über die Plug-In-Schnittstelle auch die Frage nach canPlayType(‘video/mp4; codecs=”avc1.42E01E”‘) gestellt wird gibts die Antwort ‘probably’.

    Der Andere

    16 Jan 11 at 12:27 pm

  8. Das Argument von Google ist ja prinzipiell erstmal richtig: H.264 ist nicht offen und damit nicht geeignet ein Standard im Netz zu sein. Interessanterweise ist es das gleiche Argument, das Apple beim erscheinen des iPhones in Bezug auf Flash benutzt hat. Damals spaltete sich die Gemeinde in zwei Lager. Das eine sagte “Toll! Endlich macht mal jemand was gegen die Flash-Pest.” Das andere sagte “Pest! Apple bevormundet die Leute.”. Jetzt plötzlich sagt das zweite Lager “Toll! Google befreit uns von der Lizenz-Abhängigkeit.” und das erste Lager sagt “Pest! Google bewirkt die Zementierung von Flash.”

    Ich kann mich grade nicht so richtig zwischen den Lagern entscheiden. Aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass Google dem Web einen Bärendienst getan hat. Den Teufel mit dem Belsebub austreiben scheint keine erfolgreiche Strategie zu sein. Google führt offensichtlich den Kampf um den Mobile Markt auf dem Rücken der User und vor allem der Siteowner aus.

    MarcoMacro

    16 Jan 11 at 1:11 pm

  9. @derandere Die Idee scheint ja zu sein, dass sich das Plugin registriert und der Browser dann den Handle weitergibt. Allerdings halte ich es bei der Standardschnittstelle für nicht möglich, dass ein Plugin ein DOM-Element gewissermassen kapert. Wenn ich mich recht erinnere war das genau das Problem bei Cklicktoflash.

    ff

    16 Jan 11 at 3:21 pm

  10. Hab bei John Gruber grade noch dies hier als Antwort auf eine Aussage von Adobe gefunden: “And (b) Dowdell thinks is needed only for iOS devices, and (c) that MobileSafari is non-standards-compliant because it doesn’t support plugins like Flash. I.e. Flash is standard, is not, and we’ve always been at war with Eurasia.” Wie geil!

    ff

    16 Jan 11 at 3:29 pm

  11. @ff: Laut http://techcrunch.com/2011/01/14/webm-plugins/ bietet sowohl der IE9 als auch Safari eine Schnittstelle, einen zusätzlichen Codec zu installieren und diesen per canPlayType zu propagieren. Jetzt ist natürlich die Frage, ob Chrome und Firefox diese Schnittstelle auch bietet und vor allem, wer zuerst einen Codec anbietet,

    Das alles klingt mehr und mehr nach einem grossen fail für Google.

    qrios

    16 Jan 11 at 3:54 pm

  12. @qrios: Ich stimme Dir eigentlich in allen Punkten zu bis auf einen. Google hat offensichtlich eine hidden Agenda. Denn wenn man sich fragt, wem es nützt muss man sich eingestehen, dass das bisherige Verhalten in Bezug auf webM/VP8 tatsächlich dem gesamten Netz genutzt hat. Denn die Lizenznehmer von h.264 haben schon jetzt ihre Ansprüche (gegen Enduser) massiv runtergeschraubt. Bei einer absehbaren Verbreitung von WebM werden sie auch mit ihren Forderungen gegen professionelle Nutzer friedlicher werden.

    Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Google berechnet hat, wieviel Lizenzkosten sie in den nächsten Jahren zahlen werden müssen, wenn die MPEG LA machen kann was sie will. Dabei werden allein wegen Youtube und GoogleTV hohe Summen unten rechts gestanden haben. Dann haben sie berechnet, was es sie kostet, den eigenen Codec voranzutreiben und werden zu dem Ergebnis gekommen sein, dass es sich lohnt, sich mit einem Teil der Community anzulegen.

    Für mich sieht das exakt nach der Denkweise von Google aus. 😉

    Tom

    17 Jan 11 at 1:40 pm

  13. @Tom: Das ist die interessanteste und plausibelste These zu dem Thema bisher. [++]

    MarcoMacro

    17 Jan 11 at 5:27 pm

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