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IT ist kurios!

Archive for the ‘netzpolitik’ Category

#ACTA – the end of the net as we know it

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Obwohl ACTA eigentlich dazu gedacht war, bestimmte Staaten zu einem Schutz des geistigen Eigentums zu bewegen, sind genau diese Staaten und dabei insbesondere China nicht unter den Unterzeichnern. Es sind insbesondere Staaten dabei, die sowieso schon eine ausgeprägte Rechtslage und Rechtspraxis diesbezüglich umsetzen.

Für Deutschland würden sich zum Beispiel direkt nur wenige Punkte ändern, diese wären aber grundlegend: War es für Rechteinhaber noch bis vor kurzem sehr leicht möglich, an die Identitäten von Filesharern zu kommen, weigern sich inzwischen viele Gerichte wg. solcherlei Bagatellen zu den Providern zu gehen. Nach ACTA müsste Deutschland allerdings ein Gesetz erlassen, dass dem Kläger diese Zuordnung ermöglicht.

Darüber hinaus wäre es einem Kläger im Rahmen eines Zivilprozesses neuerdings möglich, die Werkzeuge zur Vervielfältigung zu beschlagnahmen. Das könnten private Rechner ebenso sein, wie Server bei einem Provider oder sogar facebook- oder Google-Accounts. (Die Three-Strikes-Debatte entspringt übrigens genau hier, denn die Dienste-Anbieter könnten sich so vor einer (vermeintlich) viel komplizierteren Lockdown-Infrastruktur schützen.)

Es wäre zum Beispiel REM möglich, den qrios-Server zu beschlagnahmen, da der Titel dieses Posts eine zu leichte Abwandlung ihres größten Hits sei. Vielleicht würde REM davon keinen Gebrauch machen. Ich müsste allerdings damit rechnen und würde möglicherweise nach Abwägung Abstand davon nehmen.

Wenn unisono von den Regierungsvertretern der Unterzeichner und Deutschlands behauptet wird, es hätte keine Auswirkungen, kann das also so nicht stimmen. Es sei denn, man betrachtet die Tatsache, dass ACTA respektive deren Kommission keine Sanktionen machen kann als genügend. Ob diese Zahnlosigkeit jedoch so bleibt, darf bezweifelt werden. Es ist anzunehmen, dass sich die Unterzeichner nach der Ratifizierung einstimmig auf Sanktionen (z.B. empfindliche Strafzahlungen) einigen. Denn diese Einigung bedarf interessanterweise danach ja nicht mehr der erneuten Ratifizierung durch die jeweiligen Parlamente.

Wenn Deutschland also den Vertrag unterzeichnet und der Bundestag das Werk absegnet werden wir sehr schnell hören “Wir müssen unseren völkerrechtlichen Pflicht nachkommen.

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February 5th, 2012 at 3:37 pm

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#ACTA ist nicht MECE-konform

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Gestern schickte @Cappellmeister den Link zu der deutschen Version von ACTA rum und nach einigem Lesen wurde mir plötzlich klar, warum ich mich mit der englischen Version so schwer tat. Der ACTA-Vertrag ist nicht MECE.

MECE kommt ursprünglich aus der Unternehmensberatung und hat sich inzwischen beim Design von XML und Datenbanken etabliert, wird aber auch in der Konzeption und (manchmal) Kreation eingesetzt. Im Kern sorgt es dafür, dass eine Struktur ausgewogen und nicht redundant ist.

Rechtsanwälte arbeiten – insbesondere bei Verträgen – natürlicherweise immer MECE. Bei ACTA wurde darauf verzichtet. Die Inkonsistenz wird deutlich in Artikel 27 Absatz 6. Zitat: “Um den hinreichenden Rechtsschutz und die wirksamen Rechtsbehelfe nach Absatz 5(*) zu gewährleisten, erlässt jede Vertragspartei(**) Schutzbestimmungen zumindest gegen folgende Handlungen:”

a) in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Rechtsvorschriften …

Dieser Punkt sagt also, dass man die folgenden Richtlinien so in Verordnungen und Verwaltungsforschriften einfliessen lassen sollte, dass sie mit dem gültigen Gesetz übereinstimmen. Diese Aussage ist an sich schon ein Pleonasmus. Schon in der Einleitung steht ausdrücklich, dass natürlich alles so sein sollte, dass es mit den gültigen Gesetzen und Verfassungen der jeweiligen Staaten im Einklang steht. Na gut, man kann das ja eine Selbstverständlichkeit nicht oft genug betonen.

Aber

b) die Herstellung, die Einfuhr oder den Vertrieb von Vorrichtungen oder Erzeugnissen, einschließlich Computersoftware, oder die Erbringung von Dienstleistungen,

 

kann man nun so lesen, dass die darunter fallenden Maßnahmen nicht mehr im Einklang mit dem jeweiligen Recht stehen müssen. Denn ansonsten hätte auch b) mit dem Hinweis auf die gültigen Rechtsvorschriften beginnen müssen.

Meiner Erfahrung nach arbeiten Anwälte immer sehr strukturiert und damit auch MECE. Es sei denn, sie wollen explizit Hintertüren in Verträge einbauen.

*) Absatz 5 sagt etwas über den den Lizenznehmern zu gebenden Rechtsschutz aus.

**) Vertragspartner sind Staaten oder ähnliches (z.B. EU).

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January 28th, 2012 at 12:28 pm

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O2 UK schreibt Telefonnummer in http-Request-Header

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@lewispeckover hat offensichtlich entdeckt, dass O2 in UK einen transparenten Proxy* betreibt, der bei jedem Request** die Telefonnummer des Mobiltelefons an den aufzurufenden Server schickt.

If you’re on O2’s UK mobile network (not ADSL), you’ll (probably) see a line beginning with x-up-calling-line-id – followed by your mobile phone number in plain text. Other operators may use different headers, or hopefully none at all – let me know – I’m interested to know if other networks are doing it too.

Zu Testzwecken hat er ein Script geschrieben, das die Header-Informationen auf der Seite listet. Also wer von meinen Lesern zufällig auf der Insel ist und bei O2 einen Mobilvertrag hat kann ja mal draufgehen und nachsehen, ob dort die Telefonnummer steht.

Ich hatte ja auf dem Vortrag erzählt, dass das bei bestimmten mobilen White-Label-Paketen gängige Praxis ist. Dort wird diese Information allerdings nur an bestimmte vertragsrelevante Partner-Sites gesendet und nicht an jeden beliebigen Server.

Insofern vermute ich mal einen Konfigurationsfehler. Es könnte aber auch sein, dass O2 mit größeren Ad-Server-Betreibern Deals hat und die selektive Übermittlung dadurch nicht mehr ohne weiteres möglich wäre.

*) Ein transparenter Proxy routet die Requests und kann diese gegebenenfalls modifizieren. Wird eigentlich von fast allen Mobilfunkbetreibern verwendet um zum Beispiel das Caching zu optimieren.

**) Der Request-Header oder http-Request-Header wird von dem Browser an den WebServer gesendet und enthält alle wichtigen Informationen um eine Resource anzufordern. Die Response hat ebenfalls einen Header und informiert den Browser zum Beispiel über die Größe und das Verfallsdatum der Resource.

[Update] Collin Mulliner hat sich mit dem Thema ausführlicher beschäftigt und einige interessante Fakten zu Tage befördert. Darunter wird als Beispiel übrigens Bild mobil erwähnt, über die ja auch schon mal berichtete[/Update]

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January 25th, 2012 at 11:06 am

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Der #Algorithmus, das unbekannte Wesen

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Hier und da poppt seit Jahren eine mehr oder minder starke Furcht vor Algorithmen auf. Egal ob von Meckel, Schirrmacher oder anderen Fuilleton-Natives ist der Tenor immer ähnlich: wir werden alle störben Algorithmen sind dabei den Menschen einzuschränken. Da freut es denjenigen, der sich im Studium mal intensiv mit Technikkritik beschäftigt hat dann doch, dass auch mal eine etwas kenntnisreichere Stimme zu Wort kommt. In der SZ erschien ein Artikel von Kathrin Passig mit dem Titel “Warum wurde mir ausgerechnet das empfohlen?“.

Nun ist Kathrin Passig nicht unbedingt jedem als ausgewiesene Algorithmus-Expertin bekannt, hebt sich aber durch digitale Erfahrung erfrischend von den Mahnern ab. Nur leider hat sie das Thema auch nicht verstanden. Was schade ist, da mspr0 ihr gleich zur Seite springt und ihre (Falsch-)Aussagen kunstvoll in seine These vom Kontrollverlust und der darauf zwangsläufig folgenden Postprivacy einflechtet. Warum Falschaussagen? Weil sie zum Beispiel eine Bestsellerliste einem Algorithmus gegenüberstellt. Dabei ist eine Bestsellerliste genau das: das Ergebnis eines Algorithmus. Den können zwar alle verstehen aber dadurch wird er nicht zum Nicht-Algorithmus.

Für sie ist – wie für die Mahner – ein Algorithmus etwas, das (bei genügend großer Komplexität) ein Mensch nicht mehr verstehen kann. Dazu wird ein (unverlinktes) Zitat bemüht:

Die am Wettbewerb beteiligten Teams [die Programmierer der Algorithmen] gaben in Interviews an, nicht mehr nachvollziehen zu können, wie ihre eigenen Algorithmen zu manchen Ergebnissen gelangen.

Diese Aussage kann man jetzt in mindestens drei Richtungen deuten. Die Programmierer verwenden Code, den sie nicht selbst geschrieben haben (Framework, Compiler) und dies führt zu einem Black-Box-Verhalten, die Programmierer haben Code geschrieben, der sich selbst verändert oder die Programmierer kennen nicht mehr alle Werte, der zu diesem Ergebnis geführt hat.

Der erste Fall kommt recht häufig vor ist aber sicher nicht gemeint, da die konkrete Implementierung egal ist, solange das gewünschte Ergebnis produziert wird. Sollte mein Code trotz eingehender Prüfung nicht mehr das tun, was ich gerne hätte, würde ich überprüfen, ob die beteiligten Frameworks nicht das tun, was ich erwarte und im letzten Schritt, ob der Compiler merkwürdige Seiteneffekte produziert. (Aber normalerweise würde ich erst mal schlafen gehen, weil sich das Problem am nächsten Tag meistens in Luft aufgelöst hat.)

Der zweite Fall ist schon etwas komplizierter. Selbstveränderlichen Code gibt es bereits und wird insbesondere von Virenprogrammierern eingesetzt. Dabei geht es aber nicht um eine Veränderung der prinzipiellen Funktionsweise im Sinne von Evolution sondern lediglich um Mimikri. Ein solcher Code würde im Idealfall tatsächlich dazu führen, dass selbst die Entwickler ihn nicht mehr ohne eingehendes Studium von jedem anderen Code unterscheiden könnten und nicht sagen könnten, was der Code tut. Und dies obwohl sie ihn selbst geschrieben haben.

Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Zitat der dritte Fall gemeint. Eine Liste von Eingabewerten wird immer wieder durch die Maschine geschickt und kalibriert die vorgegebenen Schwellwerte an Hand von Erfolg und Misserfolg. Dabei kommt in den einzelnen Zwischenschritten viel Stochastik zum Einsatz und ab und zu wird mal der Zufallsgenerator angeworfen, um das ganze System vor der zwangsläufigen Stasis zu beschützen. Die eingesetzen Algorithmen sind in den meisten Fällen mit den mathematischen Fähigkeiten eines Realschülers zu verstehen. Die anscheinende Komplexität entsteht nur aus der Anzahl der Eingabedimensionen und der Anzahl der Iterationen.

Wichtig an diesem Punkt ist besonders der Begriff des Schwellwertes. Denn hierbei handelt es sich nicht um ein einzelnes Bit, dass gesetzt ist oder nicht. (Aber selbst bei solchen Systemen kommen schon komplexe Verhalten zu Stande. Dazu möge man sich die dreißig Jahre alten Arbeiten über zelluläre Automaten von Stephen Wolfram ansehen.)

Schwellwerte werden normalerweise als Fließkomma implementiert. Computer und damit auch Algorithmen sind allerdings recht ungenau im Umgang mit Zahlen wie 1/3 oder Wurzel aus 2. Da es sich um endlose Zahlen handelt muss eine CPU diese Werte runden. Und je nach dem, in welchen Zustand (z.B. in welchem Speicher sich die Werte befinden) kommt eine etwas andere Zahl bei der Operation raus. Genau genommen haben wir es hier mit einer Heisenbergschen Unschärfe zu tun.

Da ein Algorithmus jedoch nichts anderes ist als eine Aneinanderreihung von Operationen ist, werden selbst bei exakt bekannten Eingangswerten die Ergebnisse um so unvorhersagbarer je öfter eine solche Rundung stattfindet.

Einer der wichtigsten aktuell im Einsatz befindlichen Algorithmen ist die Page-Rank-Berechnung von Google. Obwohl bisher nicht nach aussen gedrungen ist, wie er exakt aufgebaut ist, basiert darauf die ganze SEO-Branche. Für viele handelt es sich um reines Google-Voodoo. Dabei kann man an Hand unterschiedlicher Ergebnisse eine Art Verhaltensforschung betreiben. Und obwohl ich noch niemanden gehört habe, der meint, es würde sich um ein Lebewesen handeln verhält er sich dennoch anscheinend so. Ich kann ihn untersuchen an Hand möglichst vieler Parameter, die er auch (vielleicht) sieht. Seine vollständige Funktionsweise könnte ich jedoch nur ermitteln, wenn ich ihn immer wieder in den gleichen Zustand versetzen könnte, was ginge. Ich müsste allerdings auch seine Umwelt wieder in den gleichen Zustand versetzen, was nicht ginge.

Nichts desto trotz ist der Page-Algorithmus einfach und Lerry Page versteht ihn sicher nach wie vor und etliche seiner Mitarbeiter auch.

(Quelle animiertes Gif: http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/279011)

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January 10th, 2012 at 12:14 am

EU-Datenschutzverordnung: Sollbruchstelle Jugendschutz

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Die Initiatve der EU-Kommissarin Vivian Reding mit einer Verordnung zum Datenschutz eine europaweite Grundlage zu schaffen liest sich in weiten Teilen wie die Wort gewordenen Träume aller Datenschützer. Opt-In ist für die meisten Datenerhebungen Standard. Der Export der Daten und damit die Plattform-Unabhängigkeit ist vorgeschrieben. Und schliesslich müssen Systeme so gestaltet sein, dass alle personenbezogenen Daten unwiederbringlich gelöscht werden können müssen.

Allerdings findet sich an mehreren Stellen eine Regel, die das Zeug zum Dealbraker hat. Für fast alle Punkte gibt, dass Funktionen Kinder ausschliessen müssen. Mit Kindern sind alle Personen unter 18 Jahren gemeint. Unter Umständen sind die Erhebung und Verarbeitung noch gestattet, wenn das Einverständnis der Eltern vorliegt.

Damit kann eine komplette Branche nur noch dann arbeiten, wenn Clients eine minimale Information über das Alter des Nutzers an den Service sendet. Denn andernfalls muss der Betreiber damit rechnen, dass es sich möglicherweise um ein Kind handelt, dessen Daten er unter keinen Umständen erfassen und verarbeiten darf.

Solange diese Altersübermittlung nicht existiert dürfen eigentlich keine Daten mehr erhoben werden oder zumindest nicht verwertet werden bis eindeutig klar ist (z.B. durch eine Anmeldung mit Altersindiz), dass es sich nicht um ein Kind handelt. Das dürfte somit das vorläufige Ende von Bannerwerbung und Targeting sein, wie wir es kennen.

Begründet wird der besondere Schutz übrigens mit der Naivität der Kinder. Wobei ich manchmal den Eindruck habe, dass da die Politiker von sich ausgehen und annehmen, dass die Kinder noch weniger von der Technik verstehen als sie selbst. Was für ein Fehlschluss.

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January 5th, 2012 at 1:44 pm

Daten-Fee oder Datenvieh: Offene Fragen

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Während meines Vortrags “Daten-Fee oder Datenvieh” und direkt danach vor Ort und online sind etliche Fragen gestellt worden, die ich hier zusammenfassen und beantworten möchte.

Welchen Wert haben die Daten die durch facebook, Google und andere “Social Plugins” erhoben werden?

Befindet sich auf einer Seite ein aktives Social Plugin, werden Daten über den Aufruf der Seite an die jeweiligen Anbieter (facebook, G+, twitter etc.) gesendet. Dabei spielt prinzipiell erst mal keine Rolle, ob der User (mit diesem Browser) aktuell bei dem jeweiligen Dienst angemeldet ist oder ob er dort überhaupt einen Account besitzt.

Da es sich bei den Anbietern um Black Boxes handelt, ist unklar, welche Verknüpfung direkt oder später zwischen diesen anonymen oder personalisierten Trackingdaten stattfindet. Aus Sicht der Qualität des Services von G+ und facebook ist eine solche Verknüpfung natürlich sinnvoll. Bleibt aber dennoch Spekulation.

Es gilt aber wie bei Targeting und Retargeting die Aussage, dass die Daten mit jedem weiteren Datum wertvoller werden. Und es ist keine Prophetie, wenn man sagt, dass diese Daten früher oder später verkauft werden. Entweder an verschiedene Kunden oder als Asset bei einer Übernahme.

Warum sollten denn die IP-Adressen aus den Logs entfernt werden wenn sie nicht (mehr) für die Auswertung herangezogen werden? (@alvar_f)

Natürlich zunächst mal, weil es geltendes Recht ist. Vor dem Hintergrund eines Zuviels an Gesetzen könnte man vielleicht darüber diskutieren, ob dieses nicht auf die Streichliste gehört. Allerdings deckt es ja auch andere und zukünftige Situationen ab. Denn mit der Verbreitung von IPv6 (MAC-Adresse) und einer zunehmenden Diversifizierung des Browsermarktes (“Fingerprinting”) wird dieser Punkt wieder extrem relevant.

Aber bevor man über ein “Zuviel” von Gesetzen diskutiert sollte man vielleicht mal über Datensparsamkeit nachdenken und die Web-Server-Logs ein wenig ausdünnen.

Führt Opt-In nicht zu einem Wust an Kleingedrucktem, das sowieso niemand durchliest?

Unter dem Titel “Datenschutztheater: Die informierte Zustimmung” hat Kristian Köhntopp im Kern folgende Aussage gemacht: die bisherigen Verfahren, die den Schutz der privaten Daten leisten sollen sind eigentlich reine Datenverwaltungsvorschriften. Es würde nicht um den Schutz der Daten gehen sondern darum, den Erheber der Daten vor Ansprüchen seitens der User zu schützen.

Tatsächlich würde ich ihm ohne Einschränkungen zustimmen. Bisherige Einverständniserklärungen sind ungeeignet den User über die Verwendung (Erhebung und Ziel der Verarbeitung) zu informieren.

Die Forderung muss also daher sein, den Sinn und Zweck der Erhebung in einfacher Sprache zu vermitteln. Wenn das nicht gelingt dürfen die Daten eben nicht erhoben werden.

Opt-In würde die Betreiber automatisch zu Datensparsamkeit zwingen. Denn es ist wesentlich schwerer, den Nutzer zu einem Einverständnis vor der Anmeldung zu überreden als ihm implizites Einverständnis unterzjubeln. Und ich bleibe bei meiner Aussage, dass – abgesehen von Profilern – die meisten Betreiber wesentlich mehr Daten erheben als sie später sinnvoll auswerten (können).

Das Thema Zertifikate und Siegel hat vdsetal weiter recherchiert und kommt zu sehr interessanten Aussagen.

 

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January 3rd, 2012 at 12:22 pm

Vortrag auf dem #28C3 – Daten-Fee oder Datenvieh

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Auf dem 28C3 werde ich unter dem Titel Daten-Fee oder Datenvieh einen Vortrag halten. Im Kern geht es darum, wie, wer, woran und wieviel Geld mit den Nutzungs- und Nutzerdaten im Web verdient. Ich schlüssele den Umsatz der Online-Werbebranche von derzeit mehr als 6 Mrd. € auf und zeige, welche technischen Mittel die Branche verwendet, um die User über den tatsächlichen Datenfluss im Unklaren lässt.

[Update] Der Vortrag ist sehr gut gelaufen. Der Saal 3 war voll und das Publikum sehr interessiert und hat im Anschluss gute Fragen gestellt. Auch wenn ich nicht alle zu meiner eigenen Zufriedenheit beantworten konnte – trotz Überzug – war das Feedback nach dem Talk vor Ort und auf twitter sehr gut. Hat mich auf jeden Fall ermuntert, weiter aufklärend zu agieren.

Auf Youtube gibt es den Vortrag (noch als prerelease, Update kommt dann) hier.

Über twitter wurde ich noch auf diesen Artikel bei vdsetal zu Do-Not-Track aufmerksam gemacht.

Das Interview des Deutschlandfunk mit mir findet man in voller Länge hier (mp3) auf der 28c3-Seite.

Korrektur: Ich hatte in meinem Vortrag gesagt, dass Webtrekk eine Tochter von Axel Springer sei. Das ist nicht der Fall. (Danke für den Hinweis!)

[/Update]

 

 

 

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December 26th, 2011 at 3:47 pm

Datenschutz ja, aber bitte nur ohne Schutz der Daten

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Der Datenschutz und besonders die deutschen Datenschützer sind einer kleinen aber wortgewaltigen Gruppe von Firmen und Selbständigen offensichtlich ein Dorn im Auge. Sie werden nicht müde, zu betonen, dass die Verantwortlichen den Bezug zur Realität verloren haben. Vollkommen weltfremde Forderungen würden gestellt. Es wird das Menetekel einer Online-Wüste Deutschland an die Wand gemalt.

Mit einem vollkommen absurden Rant hat sich Nico Lumma grade hervorgetan. Er zitiert dazu eine größere Passage des jüngsten Beschlusses der Datenschützer in der im Kern folgende Punkte stehen:

  1. Der Betreiber einer WebSite ist für den Schutz der Daten seiner User verantwortlich.
  2. Die Sozialen Netzwerke geben keine oder nur ungenügende Auskunft, welche Daten durch ihr PlugIn erhoben werden und was mit diesen Daten geschieht.
  3. Der Betreiber einer WebSite muss seine Nutzer über diesen Umstand informieren und gegebenenfalls davor schützen.

Keiner dieser Punkte ist jedoch in irgendeiner Form anzuweifeln. Es ist geltendes Recht in Deutschland. Und wenn man sich die aktuellen Entwürfe aus Brüssel ansieht wird es auch demnächst geltendes Recht in Europa. Read the rest of this entry »

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December 9th, 2011 at 9:21 pm

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Die neuen Leiden der alten Content-Industrie

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Mit dem vorhergesagten Ende von Flash auf mobilen Geräten und dem damit ebenso vorhergesagten Ende von Flash auf den meisten anderen Geräten hat die Content-Industrie plötzlich ein Problem, das sie eigentlich als schon gelöst angesehen hatte:

Wie vertreiben wir unseren Content im Netz ohne jegliche Kopiermöglichkeit?

Die drei wichtigsten Distributionskanäle (Kino, Silberscheibe, TV) sind alle – trotz hartnäckiger Bemühungen – geknackt. Daher finden sich alle dort veröffentlichten Filme innerhalb kürzester Zeit auf allen Verbreitungsplattformen im Netz.

Ein sicherer Channel im Netz hätte die Chance geboten, wenigstens die Filme die es nicht ins Kino schaffen, weil sie dort keinen großen Erfolg versprechen, längere Zeit im Netz laufen zu lassen, ohne dass die Kunden andere als die kostenpflichtigen Quellen nutzen könnten. Das hätte eine schier unerschöpfliche Quelle ewigen Reichtums sein können.

Nun ist Flash tot und ausser Apple hat nur Microsoft ein qualitativ hochwertiges Video-Format wie H.264 im Bundle mit einem halbwegs sicheren DRM. Daher verwundert es nicht, wenn die Content-Leute auf die abstruse Idee kommen, von den Distributions-Plattformen zu verlangen, dass nun Silverlight verwendet wird. Nach Netflix wird auch Lovefilm Silverlight verwenden. Ob diese Entscheidung Microsoft wirklich freuen kann, darf ernsthaft bezweifelt werden. Denn eigentlich steht Silverlight bei MS schon länger auf der Abschussliste.

Die User von Lovefilm sind offensichtlich verärgert über diese Entscheidung und so hat es diese Dinosaurierindustrie mal wieder geschafft, an den Bedürfnissen der User vorbei Entscheidungen durchzusetzen und sich ins Abseits zu manövrieren.

 

Written by qrios

November 23rd, 2011 at 4:12 pm

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Neoliberale Post-Privacy-Argumentation

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Ein Ruck geht durch Deutschland. Transparenz macht sich breit unter den Bloggern. Allerorten erscheinen Posts in denen eine Liste von externen Domains stehen. Diese sind durch Video, Werbung, Mashup oder Tracking in die Sites eingebunden und erhalten somit Kenntnis vom User und dessen Interaktion auf dem Blog. Nach wie vor für viele Nutzer eine wenig bis gar nicht bekannte Tatsache.

Insofern eine löbliche Offenbarung und gute Maßnahme zur Förderung des Medienverständnisses. Wenn es denn so gemeint wäre. Aber es geht den Autoren um etwas anderes:

Die Übermittlung der Daten an fremde Server ist kein Bug sondern ein Feature!

Die Argumentation läuft unisono folgendermaßen: Das Wesen des Webs ist die Verknüpfung von verschiedenen Services. Dazu werden in einer Seite die Angebote unterschiedlichster Anbieter eingebunden. Die dabei fließenden Informationen über die Interaktionen des Nutzers sind manchmal ein lässlicher Nebeneffekt und ansonsten ein wertschöffender Mechanismus.

Soweit kann ich der Argumentation ohne Einschränkungen folgen.

Der nächste Schritt jedoch führt im letzten Schritt zu einer neoliberalen Argumentation. Wirres.net schreibt:

die überschreitung der strengen deutschen datenschutzrichtlinien ist das wesensmerkmal des netzes

Oder deutlicher: Der Markt hat seine Regeln und ihr (Datenschützer) lasst bitte die Finger davon. (Die Frage, ob Amazon oder facebook, Google die größeren Datenkraken sind ist dabei übrigens vollkommen belanglos.)

Ich spare mir alle Vergleiche à la Dopingkontrollen, Verkehrsregeln oder Strafgesetz. Fakt ist, dass es momentan keinen funktionierenden Mechanismus für den User gibt, zu erfahren, welche Informationen über seine Interaktionen wohin fliessen und diesen Fluss zu kontrollieren.

Die Forderungen der Datenschützer aus Schleswig-Holstein mögen vielen als utopisch erscheinen und wirken auf viele, einem vollkommenen Unverständnis des Web entsprungen zu sein. Für mich sind sie aber der derzeit einzig wirksame Hebel, die Anbieter zu einem Umdenken zu bewegen. Diese werden in Zukunft ihre IT-Systeme so gestalten müssen, dass User einen echten Mehrwert dafür erhalten, dass sie ihre Interaktionsdaten freiwillig zur Verfügung stellen.

Derzeit sind die Nutzer Marktteilnehmer in einem Markt, den sie nicht kennen. Sie bezahlen mit einer Währung ohne die Ware zu kennen, die sie verkaufen und deren Wert sie sich nicht bewusst sind. (Näheres dazu in meinem Vortrag “Datenvieh oder Daten-Fee” auf dem 28C3 zwischen Weihnachten und Silvester in Berlin.)

Auch die Debatte um die aktuelle Gesetzeslage, die im Prinzip jeden Datenverkehr als per se verboten und nur im Ausnahmefall erlaubt betrachtet, bedient die gleiche Argumentation. Der Austausch von Daten sollte laut Prof. Jochen Schneider zuerst einmal immer erlaubt sein. Das bestehende Gesetz ist demgegenüber erstaunlicherweise nahezu deckungsgleich mit einem der wichtigsten Grundsätze des CCC: der Datenvermeidung. Da der vollkommene Verzicht jedoch tatsächlich unsinnig ist, da dann ein wesentlicher Teil der digitalen Wirtschaft eingestellt werden müsste, kommt nach meiner Meinung nur ein Copy-Bit in Frage.

Written by qrios

October 26th, 2011 at 11:58 am